Landscheide

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Gasthaus mit Scheune 2015

Das Restaurant Landscheide an der Kantons- und Stadtgrenze zu St. Gallen liegt auf St. Gallerboden, hatte aber für Speicher während langer Zeit eine besondere Bedeutung. Im Jahre 2007 wurde - wohl nach vielen hundert Jahren als Gasthaus - aus dem Restaurant ein Begegnungshaus. Die Scheune neben dem Gasthaus musste wegen Baufälligkeit im März 2016 abgebrochen werden.


Landscheidi als historischer Ort

Im Jahre 1403 sollen sich die kriegs-unerfahrenen Appenzeller vor der Schlacht bei Vögelinsegg am Sammelplatz ‚Landscheidi‘ formiert haben. Die „Schlacht“ fand etwas unterhalb der Landscheidi, bei einem damals bestehenden Hohlweg statt. Ob es schon damals in dieser Gegend, einem Knotenpunkt der Verbindungswege zwischen Rorschach, St. Gallen und dem Appenzeller Land eine historische Raststätte gab, ist unklar. Der alte Weg St. Gallen-Speicher führte vom Hof Loch über Hohenwiesen am Standort des Gasthauses Landscheide über den Bach und noch unterhalb der heutigen Kantonsstrasse Richtung Vögelinsegg. Erst mit der Fertigstellung der Ruppenstrasse 1842 wurde aus dem ungenügenden (Fahr-)Weg eine Fahrstrasse.
Die Mauern des Gewölbekellers könnten zwar älter als das Gebäude sein. Das Gasthaus Landscheide und die Scheune erscheinen aber weder auf der (sehr detailgetreuen) Eschmann-, noch auf der Dufourkarte (1850 resp. 1868). Erst auf dem Siegfriedatlas von 1883 sind die beiden Gebäude eingezeichnet. Möglicherweise wurden sie auf alte Grundmauern eines historischen Gemäuers aufgesetzt.

Eschmannkarte 1850 - keine Gebäude "Landscheide"
Um 1900
Vor 1902 mit verändertem Sockelgeschoss























In der neueren Zeit hatte die Landscheide für Nachbarn eine besondere Bedeutung: Wie Familie Schrepfer, die ehemalige Besitzerin dieses Ensembles, wusste, wurde im Haus Landscheide das erste Telefon weit herum installiert. Es handelte sich um eine richtige Telefonkabine im Eingangsbereich zum Restaurant, und die Menschen in der Region nahmen weite Wege auf sich, um ein Telefonat zu tätigen.

Die Scheune bei der Landscheide

Die baufällige Scheune

Die Scheune an der Speicherstrasse 171 am äussersten Südzipfel von St. Gallen bildete während rund 150 Jahren mit dem ehemaligen Restaurant ein Ensemble an der Stadt- und Kantonsgrenze zu Speicher AR.

Vergeblicher Kampf um Erhalt eines historischen Gebäudes

Nicht realisierbares Projekt 2015

Das Dach der Scheune leckt und die Bausubstanz ist marod. Entgegen vielen Versuchen ist es aufgrund der Gesetzeslage nicht möglich, eine Bewilligung für ein identisches Holz-Gebäude mit einer der heutigen Zeit angepassten Nutzung zu erwirken, obwohl sich verschiedene Institutionen und Behörden durchaus positiv zu einem Erhalt des Ortsbildes geäussert hatten.

Am 29. März 2016 wird die Scheune ersatzlos abgerissen, nachdem mit der Schliessung des Restaurants im Jahre 2007 bereits ein Kapitel zu Ende ging.


Vom Toggenburg zur Landscheide

Die Scheune stand ehemals im Toggenburg und war ursprünglich viel grösser - das zeigen die Aussparungen in den Balken. Sie wurde Anfang (oder Mitte?) des 19. Jahrhunderts von ihrem alten Standort abgebaut und in einer verkleinerten Version, der Topografie entsprechend, am Platz „Landscheidi“ wieder aufgebaut. Die Einteilung der Scheune deutet darauf hin, dass die Landwirtschaft nur im Nebenerwerb zur Selbstversorgung des damaligen Eigentümers betrieben wurde. Im übergrossen Remise-Raum im EG hätten ehemals Wagen und Fuhrwerke gestanden und es wurde eine Art „Spedition“ betrieben, welche die Weberei- und Stickereiarbeiten von den an St. Gallen angrenzenden Appenzeller Familien, den „Ferggern“, in der Stadt ablieferte, welche wiederum die Heimarbeiter mit Rohmaterial versorgte.

Lage

Textauszüge und Bilder mit freundlicher Genehmigung durch L. Zäch, März 2016