Schlacht bei Vögelinsegg

Aus WikiSpeicher
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schlachtdenkmal auf Vögelinsegg

Die Schlacht bei Vögelinsegg wird gemeinhin mit den sogenannten Appenzeller Freiheitskriegen in Verbindung gebracht. Forschungsergebnisse aus dem Übergang vom 20. ins 21. Jahrhundert zeigen nun aber ein sehr viel differenzierteres Bild, das die „traditionellen“ Sichtweisen mehrfach korrigiert. Kurz: die Schlacht bei Vögelinsegg fand weder auf dem Gebiet von Speicher, geschweige denn auf Appenzeller Boden statt, noch ging es um eine Schlacht zwischen Truppen des Abtes von St. Gallen und den Appenzellern und darüber hinaus ging es ganz wesentlich auch um einen Stellvertreterkrieg zugunsten der Machtgelüste von Schwyz.


Zum Ort des Geschehens: Die Schlacht fand oberhalb der heutigen Haltestelle Rank statt und wird in alten Quellen, beispielsweise im Jahrzeitenbuch der Kirche St.Laurenzen, der Speicher bis Anfang des 17. Jahrhunderts angehörte, als Schlacht beim Hof „Loch“ erwähnt, der heute noch so heisst.


Zu den Kampfparteien: Im Wesentlichen kämpfte auf der einen Seite ein Heer der Stadt Konstanz mit einigen Verbündeten des Bodenseestädtebundes, auf der andern Seite die Appenzeller mit tatkräftiger Unterstützung aus Schwyz und zu einem kleinen Teil aus Glarus, Nidwalden und Zug.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

1312 gründeten die Städte Konstanz, Zürich, St. Gallen und Schaffhausen den Bodenseestädtebund, der als gemeinsames Schiedsgericht bei Streitigkeiten dienen sollte. Konstanz stand überdies zusammen mit Ulm dem Schwäbischen Städtebund vor.

Am 26. September 1377 wurden die „Lendlin“, nämlich die Ämter Appenzell, Hundwil, Urnäsch, Gais und Teufen mit Erlaubnis ihres (weltlichen) Herrn, des Abtes von St. Gallen, in den Schwäbischen Städtebund aufgenommen. Gleichzeitig wurden die „lendlin“ den Städten Konstanz und St. Gallen als Schutzmächten mit sehr weit gehenden Handlungskompetenzen unterstellt (Stefan Sonderegger 1997 und Steiler 2004). Möglicherweise errichtete man diese Obhut, weil man den Appenzellern nicht so ganz vertraute. Vom 4. Juli 1379 datiert das erste Appenzeller Landessiegel an einer Urkunde des Schwäbischen Städtebundes.

1379/80 fordert der Abt von St. Gallen die (Wieder-)einhaltung der Pflichten (Huldigung, d.h. Steuern und Abgaben gemäss bestehendem, aber einige Zeit nicht mehr strikt ausgeübtem Recht). Die Stadt St. Gallen und die Appenzeller akzeptieren die Forderungen nicht, so dass es zu einem ersten Schiedsspruch kommt, der zugunsten des Abtes Kuno von Stoffeln ausfällt. Alle Schiedssprüche innerhalb des Städtebundes wegen Streitigkeiten zwischen dem Abt von St. Gallen und seinen Untertanen fielen während rund zwanzig Jahren immer zugunsten des Abtes aus. Gerichtsort war Konstanz, das damals quasi als neutrale Macht die führende Rolle innerhalb des Bundes im näheren Gebiet des Bodensees ausübte.

1390 wird der Schwäbische Städtebund aufgelöst, es bleibt der Bodenseestädtebund.

1392 verbündet sich der Abt von St. Gallen mit Habsburg (Herzog Leopod IV.), ein Jahr darauf die Stadt Konstanz ebenso.

Am 17. Januar 1401 verbündet sich die Stadt St. Gallen im sogenannten Volksbund mit Appenzell, Hundwil, Urnäsch, Trogen, Teufen, Speicher, Gais, Wittenbach, Gossau, Herisau, Waldkirch und Bernhardzell.

Am 18. Januar 1401 (man beachte das Datum!) wird Abt Kuno von Stoffeln Konstanzer Bürger. Damit wurde Konstanz Partei, wenn es um Streitigkeiten zwischen dem Abt und Mitgliedern des Bodenseestädtebundes ging. Der Abt klagte folgerichtig gegen den unrechtmässigen Volksbund und erhielt am 27. April 1401 vor dem Schiedsgericht in Konstanz vollumfänglich Recht: Der Volksbund müsse aufgelöst werden, was allerdings nicht sofort erfolgte.

Am 2. November 1402 erfolgt in der gleichen Sache ein zweiter Gerichtsentscheid, wieder in Konstanz und mit dem gleichen Ergebnis. Die Stadt St. Gallen akzeptiert das Verdikt, die Appenzeller nicht. Auf ihrer Suche nach Verbündeten stossen sie auf die Schwyzer, deren Expansionsgelüste längst weit in den Osten reichen und vor allem gegen Österreich (Habsburger) gerichtet sind. Die Schwyzer nehmen die Appenzeller in ihr Landrecht auf (Sie wollten gen Schwitz schweren mit den von Appenzell …“ ) Diese Verbindung ist zwar nicht urkundlich belegt, aber in einem Schiedsspruch vom 4. Mai 1403 in Zürich wurde auf Klage anderer eidgenössischer Orte verfügt, dass das Zusammengehen von Schwyz und den Appenzellern nicht rechtmässig sei. Dem Urteil zum Trotz schufen die Schwyzer 10 Tage später gegenteilige Fakten. Konstanz, seit 1393 verbündet mit Habsburg, sah im Zusammengehen von Schwyz (Gegner Habsburgs) und den Appenzellern wohl eine Gefahr für die Vormachtstellung im eigenen Einflussgebiet, dem des Bodenseestädtebunds. Das Bündnis Appenzell-Schwyz war für Konstanz somit Auslöser für ein militärisches Eingreifen, um damit die Appenzeller zu disziplinieren. In einem solchen Fall waren alle Mitglieder des Bundes verpflichtet, Hilfe zu leisten, also auch die Stadtsanktgaller.


Schlachtverlauf[Bearbeiten]

wahrscheinlichster Anmarschweg

Als gesichert gilt das Datum der Schlacht: 15. Mai 1403. Zum Schlachtverlauf selber sind nach wie vor keine zeitgenössischen Quellen bekannt. In Geschichtsdarstellungen des 20. Jahrhunderts (Wilhelm Ehrenzeller, 1931) erstellte Schlachtpläne sind nach heutiger Sicht reine Spekulation. Aus den oben erwähnten Ereignissen und entsprechenden Hinweisen lässt sich schliessen, dass auf der einen Seite Truppen des Bodenseestädtebundes standen, hauptsächlich wohl Konstanzer Truppen mit einigen andern Städtebundstruppen und wahrscheinlich nur sehr wenigen St. Gallern, auf der andern Seite unter schwyzerischem Kommando hauptsächlich Appenzeller und wenige Schwyzer mit ihren Verbündeten. Etwas oberhalb vom Hof Loch bestand in einem damals noch existierenden Hohlweg eine Letzi, wie es viele andernorts in der Umgebung auch noch gab. Der Durchgang durch diese wurde geschlossen, um die Städtebundstruppen aufzuhalten. Dort überfielen die Appenzeller den zum Stillstand gekommenen Heerzug. Die angegriffenen Truppen flohen zurück, die Appenzeller setzten ihnen nach, angeblich soll in der Stadt St. Gallen eine Mühle (wohl beim Spisertor) in Brand gesteckt worden sein. Bei umfangreichen Geländeveränderungen von 1900 im Zusammenhang mit dem Bahn- und Strassenbau im Raum des Schlachtfeldes sind indes keinerlei Spuren einer Schlacht entdeckt worden, so dass unklar bleibt, welche Art von Kampfhandlungen überhaupt stattgefunden haben. Über die Zahl der Gefallenen herrscht ebenfalls Unklarheit. Einerseits war den Siegern wohl kaum das Zählen von Opfern wichtig, andrerseits dürften die Verlierer die „Schmach“ nicht an die grosse Glocke gehängt haben. Somit bleiben nur Quellen aus späteren Zeiten mit unsicherer Herkunft der Angaben oder indirekte Hinweise aus Nekrologen, Testament- und Jahrzeitbüchern.

Je nach Quelle gab es zwischen 90 und 150 Opfer auf Seite des Städtebundes. Konstanzer Chroniken erwähnen 90 gefallene Konstanzer, Vadian und Tschudi erwähnen - weit über hundert Jahre nach dem Ereignis - 99 Konstanzer Tote und in der Zürcher Chronik (um 1480) sind 150 getötete Konstanzer erwähnt. Dass so viele Gefallene zurück nach Konstanz gebracht wurden, ist eher unwahrscheinlich, es dürfte sich vor allem um wenige höher gestellte Personen gehandelt haben. Sowohl Vadian, Aegidius Tschudi und Christoph Schulthaiss (alle Mitte bis Ende 16. Jh.) erwähnen, dass viele Gefallene neben dem Kloster St. Gallen in der Peterskapelle in einer Grube bestattet wurden. Im Jahre 2000 wurde ein in der Augustinerkirche in Konstanz beigesetzter Leichnam untersucht. Der etwa 40 Jahre Mann gehörte der Oberschicht an, die nachweisbaren Verletzungen an Kopf und Hals und die Jahreszahl auf der Grabplatte lassen vermuten, dass er bei der Schlacht bei Vögelinsegg ums Leben kam.

Ein Detail aus dem Schlachtgeschehen ist auch der (vermeintliche?) Verlust des Konstanzer Banners. Chroniken der schweizerischen Geschichtsschreibung (Zürcher Chronik aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, Berner Chronik und weitere) berichten, Schwyzer und Appenzeller hätten zwei Banner erbeutet, ein Rossfenli aus Konstanz und ein Banner aus Überlingen. Letzteres sei 1448 zurück gegeben worden, die Konstanzer Fahne sei 1642 beim Dorfbrand von Schwyz verloren gegangen. In Chroniken der Stadt Konstanz (aus dem 15. und 16. Jahrhundert) wird hingegen ausdrücklich erwähnt, das Banner sei nicht verloren gegangen. Empfanden die Konstanzer Chronisten den Verlust als Schande und machten ihn einfach ungeschehen?

Politische Folgen[Bearbeiten]

Eine direkte Folge der Niederlage bei Vögelinsegg war das Ende der Vormachtstellung von Konstanz im Bodenseestädtebund. Wie bereits erwähnt, waren die Schwyzer ein starker, nicht nur uneigennütziger Bündnispartner auf Seiten der Appenzeller. Nach der Schlacht am Stoss (1405) waren appenzellische Truppen zugunsten von Schwyz im gleichen Jahr auch bei der Unterwerfung der March beteiligt. Der Einfluss von Schwyz auf Appenzell war so gross, dass Schwyzer ab 1403 für einige Zeit den Ammann und die Hauptleute in Appenzell stellten. Namentlich bekannt sind der gemäss Appenzeller Reimchronik verhasste Löri Loppacher, weitere Namen sind Wernli Sepp, Konrad Kupferschmid und Johann Kupferschmid. Letzterer führte die Appenzeller 1408 in die verlorene Schlacht von Bregenz. Mutmasslich vertraten diese Schwyzer Amtleute Appenzell in Verhandlungen gegenüber Dritten, führten die Truppen (u. a. Schlachten Vögelinsegg und Stoss) und übten richterliche Funktionen aus. 1404 wurde auf Schwyzer Veranlassung ein Wochenmarkt in Appenzell eingeführt, dies als klare Konkurrenz zu St. Gallen. Erst 1411, mit der Aufnahme von Appenzell ins Burg- und Landrecht der eidgenössischen Orte, endete der von den andern eidgenössischen Orten mit Argwohn betrachtete und teils sogar mit Schlichtungsversuchen bedachte Einfluss von Schwyz auf Appenzell. Es dauerte aber noch mehr als hundert Jahre, bis Appenzell nach drei vergeblichen Anläufen als 13. Ort in die Eidgenossenschaft aufgenommen wurde.

Dichtung und Wahrheit (Ivo Bischofberger)[Bearbeiten]

Aus: Ivo Bischofberger: 600 Jahre Vögelinsegg: Gedanken zu gestern und heute (App. Kalender 283 von 2004) „(Es) stellt sich einem unzweifelhaft die Frage «Dichtung oder Wahrheit», wenn man sich mit den Überlieferungen um Marschroute, Heereszahlen, Schlachtfolgen und Bedeutung des Schlachtereignisses bei Vögelinsegg vom 15. Mai 1403 auseinander setzt: Beim Chronisten Zellweger zum Beispiel lesen wir, dass der Berg von Loch bis Vögelinsegg ehemals mit dichtem Walde bedeckt und von einem Hohlwege durchschnitten war. Letzterer soll der einzige und allen bekannte Weg gewesen sein, welcher an den meisten Stellen so tief war, dass der Reiter mit seinem Haupte nicht über den Rand zu beiden Seiten hervorschaute. Auch wäre er lediglich so breit gewesen, dass zwei Pferde nur kümmerlich nebeneinander gehen konnten. H.-R. Fuhrer, Dozent für Militärgeschichte, kommt in seinen Studien gegen Ende des 20. Jahrhunderts zur Erkenntnis, dass die eigentliche Marschroute gegenüber den Appenzellem geheim gehalten und für sie überraschend war. Das Seckelamtsbuch seinerseits redet überdies von appenzellischen Frauen, welche den Plan aus der Stadt St.Gallen in Erfahrung gebracht hätten: «Der wib lüften gar schnell ze Sant Gallen us und in.» Nach der Acta Abbatis-Cellensia kämpften auf äbtischer Seite über 5000 Mann; nach Vadian waren es 4000 Reiter und Fussvolk; in der Edlibachschen [Zürcher] Chronik tauchen 8000 Mann auf und nach Dacher waren es 600 Schützen, 200 Zimmerleute, Reiter und Fussvolk; die Reimchronik der Appenzellerkriege erwähnt nur wenige Schützen, Zimmerleute und Fussvolk. Auf Appenzeller Seite finden wir bei Schulthaiss [Konstanzer Chronist] 200 Einheimische, 300 Mann aus Schwyz und 200 aus Glarus. Die Reimchronik gibt nur Appenzeller und 200 Schwyzer an; Vadian und die Klingenberger Chronik reden von einem bunten Gemisch, während Justinger in der nach ihm benannten Chronik lediglich Appenzeller und 80 Schwyzer Harster erwähnt. Je nach Chronist unterschiedliche Angaben finden sich auch, wenn wir nach den Schlachtfolgen fragen. So ging die Verfolgung beim Ersten bis nach der Stadt St. Gallen, wo die Mühlen in Brand gesteckt wurden; beim Zweiten aber nur bis Notkersegg, um nicht in offenem Felde ein erneutes Treffen mit dem Gegner zu riskieren. Vadians Thurgauer Geschichte will sogar wissen, dass einige Appenzeller ihre Kleider mit dem Feldzeichen der Städte - schwarzes Kreuz auf weissem Felde - bemalt und gerufen hätten: flüchent liebe Fründt! flüchent, wir sint alle erschlachent! Die Appenzeller Reimchronik schliesslich skizziert das selbe Thema gleich einer Flucht von Weibern, auf der eine zehn andere jage.“

Text: Peter Abegglen, als Quelle diente: Peter Niederhäuser, Alois Niederstätter „Die Appenzellerkriege - eine Krisenzeit am Bodensee?“, UVK-Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 2006. Das Werk enthält umfangreiche und detaillierte Quellenangaben. Verschiedenen Autoren (hier Andreas Bihrer, Stefan Sonderegger, Peter Niederhäuser und Andreas Meyerhans) beleuchten regionale Sichtweisen und ordnen die jüngsten Forschungsergebnisse in einen Gesamtzusammenhang.


Persönliche Bemerkungen des Verfassers[Bearbeiten]

Sportliche Betätigung (Laufsport) im Raum St. Gallen-Speicher haben mich vor allem in Bezug auf die physischen Anforderungen an die Truppen an einer eigentlichen Schlacht zweifeln lassen. Zusammen mit teils widersprüchlichen Beschreibungen in den einige Jahrzehnte nach dem Geschehen erschienenen Chroniken, die wohl kaum als zuverlässig angesehen werden können, sind weitere Zweifel am Schlachtgeschehen angebracht:

Zum Heereszug des Städtebundes[Bearbeiten]

Insbesondere die Heeresgrösse der Städtebundstruppen scheint aus verschiedenen Gründen nicht so gross gewesen zu sein, wie einige Quellen behaupten: Nimmt man die Angabe, dass die Wege schlecht waren und damals noch weit gehend durch Wald führten, als glaubwürdig, dann dürften kaum mehr als zwei Mann nebeneinander marschiert sein, realistischerweise muss man mit einem Meter Abstand in der Kolonne rechnen. Bei 8000 Mann nur Fussvolk, ergäbe dies eine Heereskolonne von 4 Kilometern, Reiter würden viel mehr Platz beanspruchen. Somit wären die letzten Schlachtteilnehmer noch immer am Spisertor oder in Heiligkreuz gestanden, als die eigentliche Schlacht an der Spitze begann.

Zudem gilt es die rein physische Anstrengung zu berücksichtigen, waren auf schlechten Wegen doch knapp 300 anstrengende Höhenmeter zu überwinden. Nicht jeder war ein Topathlet, so dass die Kolonne wohl in viele Gruppen zerfiel. Zudem waren die damaligen Schuhe für längere Märsche ungeeignet.

Zur Motivation der Städtebundstruppen[Bearbeiten]

Eine weitere Überlegung wert ist die Motivation der Schlachtteilnehmer des Städtebunds: Die Konstanzer und Thurgauer hatten wohl bereits anstrengende Fussmärsche hinter sich, zudem dürften einige, insbesondere Stadt St. Galler, Sympathien für die Appenzeller gehabt haben und wollten sich wohl kaum mit grossem Feuereifer in ein Schlachtgeschehen werfen.

Zur Marschroute[Bearbeiten]

Es mag sein, dass die Marschroute geheim gehalten wurde, so dass ursprünglich nicht klar war, ob das Städtebundsheer über Herisau oder über Speicher/Trogen die Appenzeller zur Raison bringen wollte. In jedem Fall gab es letztlich nur wenige gangbare, zudem schlecht unterhaltene und ausschliesslich schmale Wege. Die mittelalterlichen Wege nach Speicher sind bekannt und waren anstrengend. Von Notkersegg führte nur ein Weg über „Oberkapf“ zum Hof Loch und dann nach Vögelinsegg, resp. Hohrüti.

Zu den Kampfhandlungen[Bearbeiten]

Als glaubwürdig gilt die Letzi am engen und tiefen Hohlweg. Für ein anmarschierendes Heer dürfte eine solche Sperre der „Normalfall“ gewesen sein, so dass zuvorderst die Zimmerleute waren, die eine Bresche schlagen sollten. Hinter diesen Zimmerleuten gab es wohl ein kleineres Gedränge, allerdings auf sehr schmalem Raum. Der als wahrscheinlich anzunehmende Angriff vor der Letzi in die Flanke des Heereszugs teilte ihn in mehrere kleinere Gruppen, die schnell erkannt haben dürften, dass nur die Flucht blieb. Hatten die Appenzeller tatsächlich Lust, die Fliehenden bis vor die Stadt zu verfolgen? Es sind immerhin vier Kilometer, dazu noch ein Aufstieg (Oberkapf). Einem gefallenen Krieger konnte man zudem etwas abnehmen (Helme, Waffen, Kettenhemden), was die eigene Packung vergrösserte und die Verfolgung erschwerte.

Zu den Gefallenen[Bearbeiten]

Die gefallenen Krieger - auch über ihre Zahl sind die Quellen nicht übereinstimmend - sind bestimmt erst nach der Schlacht zurückgeführt worden. Interessant ist, dass am Gefecht bei Hauptlisberg bei Rotmonten 1405, Gefallene in den Chroniken erwähnt werden und tatsächlich die entsprechende Zahl von Gebeinen am Schlachtort gefunden wurde und sie wurden regulär an einem geweihten Ort, nämlich beim Kappelhof begraben. Die Gebeine der Gefallenen wurden bei Bauarbeiten zufällig gefunden. Deren Zahl stimmt mit dem Eintrag im Jahrzeitenbuch der Stadt St.Gallen überein (Sonderegger). Am Schlachtort Loch hingegen wurden weder Gebeine noch Überreste von Waffen gefunden, obwohl von viel mehr Toten die Rede ist.

Fazit[Bearbeiten]

Wenn von der „Schlacht bei Vögelinsegg“ die Rede ist, wird wohl das impliziert, was seinen Niederschlag in den heroischen Schlachtenverehrungen des 19. und 20. Jahrhunderts seinen Ausdruck fand, sei es mit Zentenarfeiern, Gedenkmünzen, Denkmälern oder „historischen Schiessen.“ Die Erkenntnisse der Geschichtsforschung, gerade auch mit Bezug zu „Vögelinsegg“, zeigen ein nüchternes und auch unscharfes Bild der Ereignisse: Vieles, was als Tatsache vor allem in Schulbüchern stand, ist mehr Fiktion als Realität, denn sehr viel ist und bleibt unklar. Die wenigen gesicherten Fakten allein gäben wohl zu wenig her, um daraus einen heroischen Freiheitskampf mit unmittelbar folgender Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu konstruieren.