Rätselhafter Stein

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Die Gewissheit und andere Illusionen[Bearbeiten]

Im Rahmen der Festlichkeiten zu „500 Jahre Appenzell in der Eidgenossenschaft“, kurz arai500, hat die Trogner Künstlerin Karin Karinna Bühler ein Kunstprojekt unter dem Namen „Die Gewissheit und andere Illusionen“ lanciert und durchgeführt.Im Zentrum steht ein rätselhafter Stein. Verfolgen Sie in verkürzter Form die Wege von Gewissheiten und Illusionen.


Das Rätsel[Bearbeiten]

Im Video erklärt Karin K. Bühler, wie es zum Kunstprojekt „Die Gewissheit und andere Illusionen“ gekommen ist und auf welch interessante Personen und Sachverhalte sie gestossen ist. Zudem streifte sie, wie im Zusatztext gezeigt, so unterschiedliche „Forschungsgebiete“ wie Geologie, Steinbrüche, Architektur, Dorfgeschichte, Lebensgeschichten, Kunst, Magie, Alchemie …


Rätselspuren[Bearbeiten]

Der Stein war Anlass, verschiedenen Ahnungen und Mutmassungen eine Form zu geben - solchen, die in längst vergangene Zeiten zurück reichen oder auch solchen, die einfach nur denkbar sind.


Die Auszüge aus dem Tagebuch von Karin K. Bühler geben davon einen Eindruck:

8. Juni 2012: Agathe Nisple vermutet einen Zierstein in einer vorgängigen Architektur. Max Kriemler (Liegenschaftsbesitzer) vermutet die Herkunft von einem Sandsteinriegel zwischen Hoher Buche und Stuelegg.

18. Juli 2012: Silvio Frigg, Bereichsleiter der Stiftsbibliothek St. Gallen, kann sich vorstellen, dass der Stein aus einer gotischen Architektur (Vorgängerkirche der Kathedrale aus Rorschacher Sandstein?) stammt und später eventuell als Grenzstein diente (Gravuren).

Bruchstück wie im Lapidarium St. Gallen?

15. August 2012: Sabina Carraro, Wachsexpertin spinnt den Gedankengang, dass in der Kette Erdöl - Paraffin - Wachs letzteres zu Sandstein wurde.

2. Dezember 2012: Sean Hawkins, Lokalhistoriker aus England erkennt einen „Copingstone“, eine Mauerabdeckung.

8. Dezember 2012: Chläus Bühler zieht eine Analogie zum Säntisriesen: Dessen Bruder wollte eine Kathedrale aus dem Ausland importieren, dabei seien ihm Steine aus dem Sack gefallen.

21. Februar 2013: Heidi Eisenhut, Kantonsbibliothekarin vermutet, der Stein könnte aus den Trümmern der 1814 abgebrannten Spinnerei am Säglibach oder aus dem Abbruch des alten Rathauses von Trogen aus dem Jahre 1842 stammen.

7. Juli 2013: Drucker Martin Amstutz sieht in den Zeichen ägyptische Hieroglyphen mit der Bedeutung „schön“ oder „anmutend“, Attribute der Göttin Isis.

9. August 2013: Ein Gast in der RAB-Bar meint, der Stein sei als Ansatzstück einer Bogenbrücke verwendet worden
Architekturteil.JPEG

11. August 2013: Die Pendlerin Elsbeth Eggenberger attestiert dem Stein eine enorm hohe Schwingung in absoluter Harmonie, was auf die Ypsilonform zurückzuführen sei.

Das vollständige Tagebuch finden Sie hier.




Eine Lösung des Rätsels[Bearbeiten]

Niklaus Sturzenegger, bis 2014 Gemeindepräsident von Trogen, stiess bei seinen Nachforschungen, die den Stein als Grenzstein voraussetzen, auf interessante Erkenntnisse. Er vertritt damit die jüngste und durch Landkarten und Zeugenaussagen belegbare Meinung zum Stein.

Der alte Stein am neuen Ort
Seite zur Gemeinde Speicher



Aber: Es stellt sich ein neues Rätsel …[Bearbeiten]

Auf der Homepage der Schweizerischen Landestopographie, swisstopo.ch, können auf einer Zeitreise die Karten von ca. 1880 bis heute verglichen werden. Dabei zeigt sich, dass der Punkt, wo sich die Grenzen von Speicher, Bühler und Trogen treffen, um 1890 weder auf dem höchsten Punkt der Hohen Buche (wie kartographisch erstmals 1933 vermerkt), noch am heutigen Standort (seit 1944 auf der Karte) war, sondern mitten im Nordhang. Nachdem die amtliche Grundbuchvermessung in Ausserrhoden erst um 1935 erfolgte, sind Grenzverläufe und Grenzveränderungen vor dieser Zeit weder auf den Grundbuchämtern noch beim amtlichen Geometer (geoinfo.ch) vermerkt. Und dann kommt noch dazu, dass bis irgendwann vor 1890 der Grenzpunkt der drei Gemeinden schon einmal auf dem höchsten Punkt der Hohen Buche stand. Tanner schreibt nämlich in seiner Chronik von 1870: Es blieb, wie bei Teufen, so auch gegen Bühler der neueren Zeit überlassen, die Grenzschwierigkeiten zu beheben. Auch hier gelang dies nur auf richterlichem Wege. Die mit einiger Abänderung des grossrätlichen Urteilsspruches vom 13. Oktober 1842 von Speicher und Bühler vorgenommene Grenzbestimmung von 1845 ist folgende: Nr. 1 eine Eggmarke zwischen den drei Gemeinden Bühler, Speicher und Trogen steht auf der östlichen Höhe des Buchenberges. Auf dem Grenzstein ist unschwer zwischen G SP und GT eine römische I zu erkennen, ist es die von Tanner erwähnte Eggmarke? Warum wurde der Grenzpunkt innerhalb von etwa 70 Jahren mindestens vier Mal versetzt?


Videoaufnahmen: Peter Abegglen, April 2017

Text: Peter Abegglen

Quellen: Tagebuch Karin Karinna Bühler (als Separatdruck der Appenzeller Zeitung erschienen)

Bilder: Karin Karinna Bühler, Peter Abegglen, z. Vfg.

Kartenmaterial: Swisstopo Zeitreise