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	<title>WikiSpeicher - Benutzerbeiträge [de-ch]</title>
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	<updated>2026-05-13T07:21:04Z</updated>
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		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18755</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
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		<updated>2026-05-10T15:33:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Schiffsreise mit Tücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“] wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allein in den Jahren 1853 bis 1855 legten aus Hamburg 42 Schiffe nach Australien ab, 1854 und 1855 liefen fünf deutsche Auswandererschiffe die tasmanischen Häfen von Hobart und Launceston an und brachten dort 858 Personen an Land. die &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot; mit Jacob Locher an Bord war eines davon.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als &amp;quot;agriculturist“ geführt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Erste Eisenbahn Australien.jpg|mini|Eisenbahn vom Hafen nach Melbourne]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft schliesslich in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, zuletzt bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 in St. Gallen zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von [[Fitzi, Johann Ulrich - Zeichner und Maler|Johann Ulrich Fitzi]] veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). [https://www.australianarthistory.com/the-art-of-the-victorian-gold-rush Seine Werke] fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Datei:Erste_Eisenbahn_Australien.jpg&amp;diff=18754</id>
		<title>Datei:Erste Eisenbahn Australien.jpg</title>
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		<updated>2026-05-10T15:30:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: S.T.Gill First steam railway/National Museum of Australia MA53960775-Railway-1200w&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
S.T.Gill First steam railway/National Museum of Australia MA53960775-Railway-1200w&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
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		<title>Goldrausch in Australien</title>
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		<updated>2026-05-10T15:17:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Schiffsreise mit Tücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“] wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allein in den Jahren 1853 bis 1855 legten aus Hamburg 42 Schiffe nach Australien ab, 1854 und 1855 liefen fünf deutsche Auswandererschiffe die tasmanischen Häfen von Hobart und Launceston an und brachten dort 858 Personen an Land. die &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot; mit Jacob Locher an Bord war eines davon.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als &amp;quot;agriculturist“ geführt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft schliesslich in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, zuletzt bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 in St. Gallen zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von [[Fitzi, Johann Ulrich - Zeichner und Maler|Johann Ulrich Fitzi]] veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). [https://www.australianarthistory.com/the-art-of-the-victorian-gold-rush Seine Werke] fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18752</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18752"/>
		<updated>2026-05-10T15:15:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Schiffsreise mit Tücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“] wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Allein in den Jahren 1853 bis 1855 legten aus Hamburg 42 Schiffe nach Australien ab, 1854 und 1855 liefen fünf deutsche Auswandererschiffe die tasmanischen Häfen von Hobart und Launceston an und brachten dort 858 Personen an Land. die &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot; mit Jacob Locher an Bord war eines davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft schliesslich in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, zuletzt bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 in St. Gallen zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von [[Fitzi, Johann Ulrich - Zeichner und Maler|Johann Ulrich Fitzi]] veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). [https://www.australianarthistory.com/the-art-of-the-victorian-gold-rush Seine Werke] fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18751</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18751"/>
		<updated>2026-05-10T14:52:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“] wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft schliesslich in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, zuletzt bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 in St. Gallen zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von [[Fitzi, Johann Ulrich - Zeichner und Maler|Johann Ulrich Fitzi]] veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). [https://www.australianarthistory.com/the-art-of-the-victorian-gold-rush Seine Werke] fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18750</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18750"/>
		<updated>2026-05-10T12:57:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft schliesslich in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, zuletzt bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 in St. Gallen zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von [[Fitzi, Johann Ulrich - Zeichner und Maler|Johann Ulrich Fitzi]] veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). [https://www.australianarthistory.com/the-art-of-the-victorian-gold-rush Seine Werke] fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18699</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18699"/>
		<updated>2026-05-07T07:16:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Traum vom Gold */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft schliesslich in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, zuletzt bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 in St. Gallen zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von [[Fitzi, Johann Ulrich - Zeichner und Maler|Johann Ulrich Fitzi]] veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18698</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
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		<updated>2026-05-06T14:15:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Traum vom Gold */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 in St. Gallen zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von [[Fitzi, Johann Ulrich - Zeichner und Maler|Johann Ulrich Fitzi]] veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18697</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18697"/>
		<updated>2026-05-06T14:14:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Tasmanien und Melbourne */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 in St. Gallen zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von [[Fitzi, Johann Ulrich - Zeichner und Maler|Johann Ulrich Fitzi]] veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18696</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18696"/>
		<updated>2026-05-06T14:03:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Das Büchlein */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 in St. Gallen zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von [[Fitzi, Johann Ulrich - Zeichner und Maler|Johann Ulrich Fitzi]] veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18695</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18695"/>
		<updated>2026-05-06T14:01:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
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STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;/gallery&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18694</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18694"/>
		<updated>2026-05-06T13:57:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Johann Heinrich Locher, Lithograf */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In der Zeitung The Argus vom 25. Juni 1858 wurde zur Beerdigung von Johann Heinrich eingeladen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;The friends of the late J. H. Locher, from Messrs. Hamel and Locher, are respectfully requested to follow his remains from Simpson’s-road, six doors above the Eureka Hotel, to the New Cemetery, today, by half-past 2 o&#039;clock p.m.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Freunde des verstorbenen J. H. Locher von der Firma Hamel und Locher werden höflich gebeten, dem Leichenzug heute um 14.30 Uhr von der Simpson’s-Road, sechs Häuser oberhalb des Eureka Hotels, zum Neuen Friedhof zu folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18693</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18693"/>
		<updated>2026-05-06T13:52:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Samuel Thomas Gill - Zeichner */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=&amp;quot;packed-hover&amp;quot; widths=500 heights=300&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Datei:STG_Black_Forest.jpeg&amp;diff=18692</id>
		<title>Datei:STG Black Forest.jpeg</title>
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		<updated>2026-05-06T13:41:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Samuel Thomas Gill: Illustration Store an der Strasse in &amp;quot;Nach Australien!&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill: Illustration Store an der Strasse in &amp;quot;Nach Australien!&amp;quot;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Datei:STG_Digging.jpeg&amp;diff=18691</id>
		<title>Datei:STG Digging.jpeg</title>
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		<updated>2026-05-06T13:40:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Samuel Thomas Gill: Illustration Gold waschen in &amp;quot;Nach Australien!&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill: Illustration Gold waschen in &amp;quot;Nach Australien!&amp;quot;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Datei:STG Digs.jpeg</title>
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		<updated>2026-05-06T13:38:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Samuel Thomas Gill: Illustration Leinwandschläuche in &amp;quot;Nach Australien!&amp;quot;&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill: Illustration Leinwandschläuche in &amp;quot;Nach Australien!&amp;quot;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18688</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18688"/>
		<updated>2026-05-06T13:37:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Samuel Thomas Gill - Zeichner */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Black_Forest.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Store an der Strasse&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digging.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Gold waschen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
STG_Digs.jpeg|&amp;lt;small&amp;gt;Goldgruben mit Belüftungsschläuchen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18685</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18685"/>
		<updated>2026-05-06T13:29:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Die Bilder */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern (she. oben). Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18683</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18683"/>
		<updated>2026-05-06T13:27:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Nachdruck 2026 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untersuchungsbericht zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch):&lt;br /&gt;
Public Record Office Victoria (AU); [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18678</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
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		<updated>2026-05-06T13:23:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Verarmt wie viele andere */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18675</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18675"/>
		<updated>2026-05-06T13:23:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Verarmt wie viele andere */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er &#039;&#039;„am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“&#039;&#039; aufgefunden. Sowohl der [https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen] von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18672</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18672"/>
		<updated>2026-05-06T13:18:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Traum vom Gold */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher besuchte verschiedene Goldfelder, suchte sein Glück schliesslich Fiery Creek&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
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		<title>Datei:Karte Goldfelder 1850.jpg</title>
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		<updated>2026-05-06T13:16:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Karte der Goldfelder nordwestlich Melbourne um 1855/Slater et alt.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Karte der Goldfelder nordwestlich Melbourne um 1855/Slater et alt.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
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		<title>Goldrausch in Australien</title>
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		<updated>2026-05-06T13:13:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Traum vom Gold */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18667</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18667"/>
		<updated>2026-05-06T13:12:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Tasmanien und Melbourne */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
[[Datei:CITY OF HOBART.jpg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Jacob Locher fuhr mit der City of Hobart nach Melbourne&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Datei:CITY_OF_HOBART.jpg&amp;diff=18664</id>
		<title>Datei:CITY OF HOBART.jpg</title>
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		<updated>2026-05-06T13:09:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Schiff City of Hobart/201303242109420.CITY OF HOBART Wingate and Co 1854 A Green&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Schiff City of Hobart/201303242109420.CITY OF HOBART Wingate and Co 1854 A Green&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18663</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
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		<updated>2026-05-06T13:05:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Schiffsreise mit Tücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Immigrantenliste 1855.jpg|mini|&amp;lt;small&amp;gt;Immigranten &amp;quot;Lewe van Nyenstein&amp;quot;: Nr. 7 Locher Jacob&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
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		<title>Datei:Immigrantenliste 1855.jpg</title>
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		<updated>2026-05-06T12:56:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Liste der Immigranten vom 24. Mai 1855 in Hobarttown/Verzeichnisse der Passagierlisten für Tasmanien für das Jahr 1855&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Liste der Immigranten vom 24. Mai 1855 in Hobarttown/Verzeichnisse der Passagierlisten für Tasmanien für das Jahr 1855&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18641</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18641"/>
		<updated>2026-05-06T07:08:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Schiffsreise mit Tücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Colonial Times 18550525.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Colonial Times vom 25. Mai 1855&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Datei:Colonial_Times_18550525.jpg&amp;diff=18640</id>
		<title>Datei:Colonial Times 18550525.jpg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Datei:Colonial_Times_18550525.jpg&amp;diff=18640"/>
		<updated>2026-05-06T07:06:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Ankunftsmeldung Lewe van Nyenstein in &amp;quot;Colonial Times&amp;quot; vom 25. Mai 1855&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Ankunftsmeldung Lewe van Nyenstein in &amp;quot;Colonial Times&amp;quot; vom 25. Mai 1855&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18639</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18639"/>
		<updated>2026-05-06T07:04:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Schiffsreise mit Tücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Datei:Schiffsreise_J_J_Locher.jpg&amp;diff=18638</id>
		<title>Datei:Schiffsreise J J Locher.jpg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Datei:Schiffsreise_J_J_Locher.jpg&amp;diff=18638"/>
		<updated>2026-05-06T07:02:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Karte mit Schiffsroute und Datumsangaben/Peter Abegglen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Karte mit Schiffsroute und Datumsangaben/Peter Abegglen&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18637</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18637"/>
		<updated>2026-05-06T07:00:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Schiffsreise mit Tücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+ Hamburg - Tasmanien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Datum !! Örtlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 16. 1. 1855 || Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 19. 1. 1855 || Aermelkanal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 1. 1855 || Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 30. 1. 1855 || Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 26. 2. 1855 || Aequator&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 04. 4. 1855 || Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 13. 4. 1855 || Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion);&amp;lt;br&amp;gt;von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 10. 5. 1855 || Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 24. 5. 1855 || Hobarttown&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18636</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18636"/>
		<updated>2026-05-06T06:49:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Johann Heinrich Locher, Lithograf */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16. 1. 1855: Abfahrt Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19. 1. 1855: Aermelkanal&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24. 1. 1855: Golf v. Biskaya (Sturm)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30. 1. 1855: Kanarische Inseln&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26. 2. 1855: Aequator&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
04. 4. 1855: Kap der guten Hoffnung&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. 4. 1855: Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion); von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10. 5. 1855: Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24. 5. 1855: Hobart&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Er hinterliess seiner Frau 200 £. Dieses Erbe war recht ansehnlich, verdiente doch ein gewöhnlicher Arbeiter höchstens um 50 £ pro Jahr. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Goldrausch in Australien</title>
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		<updated>2026-05-05T21:46:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Schiffsreise mit Tücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
16. 1. 1855: Abfahrt Hamburg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
19. 1. 1855: Aermelkanal&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24. 1. 1855: Golf v. Biskaya (Sturm)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
30. 1. 1855: Kanarische Inseln&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
26. 2. 1855: Aequator&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
04. 4. 1855: Kap der guten Hoffnung&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
13. 4. 1855: Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion); von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10. 5. 1855: Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
24. 5. 1855: Hobart&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit und nicht Selbstständigkeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Mit 200 £ war das Erbe allerdings eher bescheiden. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18634</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18634"/>
		<updated>2026-05-05T21:44:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Wanderschaft und Reisen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: &#039;&#039;Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: [[Krüsi John|John Krüsi]]] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: &#039;&#039;von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&lt;br /&gt;
16. 1. 1855: Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
19. 1. 1855: Aermelkanal&lt;br /&gt;
24. 1. 1855: Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
30. 1. 1855: Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
26. 2. 1855: Aequator&lt;br /&gt;
04. 4. 1855: Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
13. 4. 1855: Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion); von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
10. 5. 1855: Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
24. 5. 1855: Hobart&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Mit 200 £ war das Erbe allerdings eher bescheiden. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
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		<title>Goldrausch in Australien</title>
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		<updated>2026-05-05T21:40:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Cover Ausgabe 1857.png|mini|rechts]]&lt;br /&gt;
Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: John Krüsi] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige. &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&lt;br /&gt;
16. 1. 1855: Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
19. 1. 1855: Aermelkanal&lt;br /&gt;
24. 1. 1855: Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
30. 1. 1855: Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
26. 2. 1855: Aequator&lt;br /&gt;
04. 4. 1855: Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
13. 4. 1855: Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion); von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
10. 5. 1855: Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
24. 5. 1855: Hobart&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Mit 200 £ war das Erbe allerdings eher bescheiden. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Datei:Cover_Ausgabe_1857.png&amp;diff=18632</id>
		<title>Datei:Cover Ausgabe 1857.png</title>
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		<updated>2026-05-05T21:38:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Titelseite des Berichts der Originalausgabe von 1857&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Titelseite des Berichts der Originalausgabe von 1857&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18631</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18631"/>
		<updated>2026-05-05T21:37:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bild: Cover_Ausgabe_1857.png&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: John Krüsi] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige. &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Schiffsreise mit Tücken ====&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&lt;br /&gt;
16. 1. 1855: Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
19. 1. 1855: Aermelkanal&lt;br /&gt;
24. 1. 1855: Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
30. 1. 1855: Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
26. 2. 1855: Aequator&lt;br /&gt;
04. 4. 1855: Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
13. 4. 1855: Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion); von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
10. 5. 1855: Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
24. 5. 1855: Hobart&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Tasmanien und Melbourne ====&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Traum vom Gold ===&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verarmt wie viele andere ====&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
==== Todesnachricht als Zeitungsmeldung ====&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Originaltext: &#039;&#039;Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Büchlein ===&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
==== Digitale Version des Originals ====&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist [https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939 hier] zugänglich. &lt;br /&gt;
==== Die Bilder ====&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brüder - Geschäftsfreunde - Künstler ===&lt;br /&gt;
==== Johann Heinrich Locher, Lithograf ====&lt;br /&gt;
Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Mit 200 £ war das Erbe allerdings eher bescheiden. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== Samuel Thomas Gill - Zeichner ====&lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
==== Nachdruck 2026 ====&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inquiery ([https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf Untersuchungsbericht] zur Todesursache von Johann Jakob Locher (in Englisch)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18630</id>
		<title>Goldrausch in Australien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Goldrausch_in_Australien&amp;diff=18630"/>
		<updated>2026-05-05T20:09:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: Die Seite wurde neu angelegt: «Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten  von Johann Jakob Locher, von Speicher &amp;lt;br&amp;gt; Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;  Bild: Cover_Ausgabe_1857.png &amp;lt;br&amp;gt;…»&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten &lt;br /&gt;
von Johann Jakob Locher, von Speicher&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das 45 Seiten umfassende Büchlein mit dem Titel „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde im Verlag von Johann Ulrich Locher, einem Bruder des Autors Johann Jakob Locher, 1857 in St. Gallen gedruckt und veröffentlicht. Es ist ein Augenzeugenbericht eines Goldsuchers aus der Zeit des australischen Goldrausches.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bild: Cover_Ausgabe_1857.png&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1855 kam Johann Jakob Locher nach einer 186-tägigen, turbulenten Schiffsreise in Hobarttown (Hobart) auf Tasmanien an. Nach einer kurzen Anstellung als Hausbursche zog er nach Melbourne zu seinem dort lebenden Bruder Johann Heinrich, den er schon auf einer früheren Reise in den USA besucht hatte. Von Melbourne aus suchte er sein Glück in den 1852 entdeckten Goldminen nördlich der Stadt. Er sandte an seinen Bruder in St. Gallen einen (oder mehrere?) Briefe, worin er seine Erlebnisse schildert von der Reise und von den Menschen und ihren Lebensumständen zur Zeit des Goldrausches in Victoria. Zudem vermittelt der Text Landschaftsbeschreibungen und vor allem einen Einblick in das Leben eines Goldsuchers in den frühen Jahren des kolonialen Australien, das viele Glücksritter aus allen Teilen der Welt anzog. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Johann Jakob Locher, Kammacher ===&lt;br /&gt;
Johann Jakob Locher, im Taufbuch als Hans Jakob Locher aufgeführt, wurde am 17. 11. 1829 in Speicher geboren. Er war das sechste Kind seiner Eltern Johannes Ulrich Locher und der Katharina Eugster (Heirat 19. 1. 1813 in Rehetobel): Johannes 17. 11. 1813 (Metzger), Johann Ulrich 23. 5. 1817 (Lithograph, Verleger in St. Gallen), Anna Katharina 10. 9. 1822, Johann Heinrich 1823 (Lithograph, Verleger in St. Gallen, New York, Melbourne), Hans Kunrad 20. 8. 1826, Johann Jakob 17. 11. 1829, Wilhelm 5. 10. 1835.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Vater war von Beruf „Policeijäger“, die Familie wohnte zuerst im Moos, später im Bendlehn. Johann Jakob war Kammacher, dürfte den Beruf aber nicht lange ausgeübt haben. Kammacher fertigten Kämme aus Horn, solche wurden auch in der Textilverarbeitung benötigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wanderschaft und Reisen ====&lt;br /&gt;
Gemäss Passregister des Kantons App. A.Rh. wurde ihm am 29. August 1851 ein Wanderbuch [Pass für „Wandergesellen“, für eine Art „Walz“, wie sie heute noch vereinzelt Zimmerleute unternehmen] ausgestellt: Johann Jakob Locher, Kammmacher, von und in Speicher, nach Ulm. Signalement: Mittlere Statur, braune Augen, braune Haare, breites Kinn, ovales Gesicht. Zweck der Reise: Auf Arbeit.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Wie damals üblich [she. auch: John Krüsi] war der Zweck solcher Wanderschaften, Berufs- oder zumindest Arbeitserfahrung zu sammeln. Locher ist viel gereist, wie er im Australienbericht selber schreibt: von zwölf Reisen [ist] kaum eine so interessant, und [hat] so mannigfache Begebenheiten aufzuweisen, wie die unsrige. &lt;br /&gt;
Noch bevor er nach Australien aufbrach, hatte er seinen Bruder Johann Heinrich, der mit einem Wanderbuch vom 1. 12. 1843 als Steindrucker (Lithograf) „nach St. Gallen und Weiter“ Speicher verlassen hatte, in New York besucht. Johann Heinrich arbeitete in New York einige Jahre als Verleger und Lithograph an der Fulton Street 117, wanderte zusammen mit seiner Frau darauf nach Australien aus und wurde am 11. August 1854 in Melbourne eingebürgert. In Melbourne trafen sich die beiden Brüder wieder, wobei Heinrich erstaunt war, dass Jakob aus Tasmanien schrieb. Jakob kannte die Adresse von Heinrich wohl von Bruder Ulrich in St. Gallen. Heinrich wusste aber nicht, dass sein Bruder die Australienreise aufgenommen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schiffsreise mit Tücken&lt;br /&gt;
Wo sich Johann Jakob zwischen 1851 (Wanderbuch) und 1854 aufhielt, ist unbekannt, die Reise in die USA und zurück war sicher dabei. Seine Australienreise startete er, damals 25 Jahre alt, in Hamburg mit dem im Bericht genannten Segelschiff „Leve van Vienstein“ (Korrekter Schiffsname: Lewe van Nyenstein), einem typischen Auswandererschiff jener Zeit mit vor allem deutschen Auswanderern. Je nach Quelle befanden sich zwischen 150 und über 200 Passagiere auf dem Schiff, zumeist Männer, nebst einigen Familien mit bis zu 8 Kindern. Am 15. 11. 1854 erfolgte die Einschiffung, wegen ungünstiger Winde kam es zu einer Verzögerung von 2 Monaten bis zum Auslaufen! Die Besatzung bestand aus rund 30 Mann.&lt;br /&gt;
16. 1. 1855: Abfahrt Hamburg&lt;br /&gt;
19. 1. 1855: Aermelkanal&lt;br /&gt;
24. 1. 1855: Golf v. Biskaya (Sturm)&lt;br /&gt;
30. 1. 1855: Kanarische Inseln&lt;br /&gt;
26. 2. 1855: Aequator&lt;br /&gt;
04. 4. 1855: Kap der guten Hoffnung&lt;br /&gt;
13. 4. 1855: Vorbeifahrt an St. Paul (La Réunion); von 19 Matrosen nur noch 7 arbeitsfähig&lt;br /&gt;
10. 5. 1855: Tasmanien in Sicht (ca. 20 km), Sturm&lt;br /&gt;
24. 5. 1855: Hobart&lt;br /&gt;
Die Schiffsreise dauerte somit (ohne die Wartezeit in Hamburg) 160 Tage, das ist deutlich mehr als die damals üblichen 90 bis 120 Tage. Einerseits war dies den ungünstigen Witterungsbedingungen, aber wohl auch dem schlecht ausgerüsteten Schiff geschuldet. Die Überfahrt war extrem beschwerlich: Das Schiff musste wegen schwerer Stürme kurz nach dem ersten Start im November 1854 umkehren und lag zwei Monate im Hafen, bevor es endgültig auslaufen konnte. Während der Reise starben mehrere Kinder und Besatzungsmitglieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswanderer, welche nur Arbeit suchten, fanden hauptsächlich in der Landwirtschaft eine Anstellung, auch Jakob wird auf der Immigrationsliste als *agriculturist“ geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tasmanien und Melbourne&lt;br /&gt;
Nach einer Anstellung für drei Monate als Hausbursche in Hobart brach er nach Melbourne auf, die Arbeit als Gärtner war ihm zu langweilig, wie er selber bemerkte. Am 30. 8. 1855 verliess er auf dem Schiff „City of Hobart“ Tasmanien und kam nach Port Philipp bei Melbourne (50 Stunden) und anschliessend auf der erst im September 1854 eröffneten ersten Eisenbahnlinie Australiens in die Stadt zu seinem Bruder Johann Heinrich, der dort eine lithographische Anstalt betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schiff „City of Hobart“ war ein Dreimaster-Segler mit einer 2-Zylinder-Dampfmaschine, 1854 in Glasgow gebaut und zunächst im Dienste der „Tasmanian Steam Navigation Company“ für Passagier- und Frachtfahrten zwischen Victoria (Melbourne) und Hobart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Traum vom Gold&lt;br /&gt;
Nach kurzer Zeit bei seinem Bruder zog es Johann Jakob in die Goldfelder, wo er mehrere Monate blieb. Er beschreibt in seinem Bericht an seinen Bruder Johann Ulrich in St. Gallen, wie die Goldsuche, das „digging“ betrieben wird, wie die Goldsucher leben und arbeiten und stellt auch immer wieder Vergleiche mit der Heimat an.&lt;br /&gt;
Die Beschreibung seiner Begegnung mit Eingeborenen schliesst er mit einer zum Schmunzeln verleitenden Feststellung: Sie sprechen zum Theil ziemlich gut englisch, aber ihre Muttersprache hört sich nicht gut an, sie klingt beinahe wie der Appenzeller-Dialekt.&lt;br /&gt;
Johann Jakob schürft in den Minen von Fiery Creek, etwa 200 km nordwestlich von Melbourne. Dort leben 1855, drei Jahre nach Entdecken der Goldvorkommen, bereits 50’000 Leute, 1860 100’000! Der „Goldrausch“ in Australien ist von kurzer Dauer. Nach 1860 sind die meisten „Minen“ im Fiery Creek Revier bereits wieder verlassen. In der Ausgabe der Zeitung „The Border Post“ vom 6. Februar 1861 erscheint in der Rubrik „Liste nicht abgeholter Post“ (list of unclaimed letters) der Name Jacob Locher. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Jakob damals noch in Fiery Creek weilte, sein Bruder Heinrich aber schon 1958 verstorben war und somit ankommende Post für Jakob nicht (mehr) abgeholt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verarmt wie viele andere&lt;br /&gt;
Wie viele andere auch, wird Johann Jakob durch das Goldgraben nicht reich, er lebt zuletzt verarmt in Sunbury, einem Vorort nordwestlich von Melbourne, wo er sich mit Gelegenheitsjobs, u. a. bei einem Winzer, durchschlägt. Er stirbt wahrscheinlich am 18. oder 19. September 1870, denn gemäss Untersuchungsbericht vom 23. September wurde er „am 20. September 1870 ertrunken im Jackson Creek bei Sunbury ohne irgendwelche Anzeichen von Gewalteinwirkung an seinem Körper“ aufgefunden. Sowohl der Bericht der Leichenschau, wie auch Zeugenaussagen von Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Nachbarn geben keine Hinweise auf Fremdeinwirkung.(Quelle: Public Record Office Victoria (AU); Signatur VPRS 24/P0000, 1870/859 Male; https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf))&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeitung „The Argus“ vom 27. September 1870, wird der Todesfall auf Seite 2 beschrieben:&lt;br /&gt;
Jacob Locher, ein Winzer im Alter von fünfundvierzig Jahren, wurde am Dienstag ertrunken im Jackson’s Creek aufgefunden. Der Verstorbene hatte sich am Sonntag mit einem Arbeitskollegen namens Duscher in einer Weinstube aufgehalten; beide standen im Dienst von William Bowrie, dem Besitzer eines Weinguts. Der Verstorbene hatte sich betrunken, und sein Begleiter erklärte sich bereit, ihn gegen neun Uhr nach Hause zu bringen, woraufhin sie gemeinsam aufbrachen. Da Locher die ganze Nacht über nicht nach Hause kam, wurde am Morgen nach ihm gefragt, und Duscher gab daraufhin an, dem Verstorbenen sei so schlecht geworden, dass er nicht mehr weitergehen konnte, er habe sich neben eine Rutschplatte gelegt, und er habe ihn dort schlafend zurückgelassen. Obwohl nach ihm gesucht wurde, wurde er bis Dienstag nicht mehr gesehen, als ein Junge seine Leiche im Jackson’s Creek entdeckte. Es wurde nachgewiesen, dass die Nacht zum Sonntag sehr dunkel war, und Fußspuren wurden von der Stelle, an der der Verstorbene schlafend zurückgelassen worden war, bis zum Ufer des Baches verfolgt. Bei der Untersuchung der Leiche wurde eine Menge Glasscherben in seiner Jackentasche gefunden, und Glas ähnlicher Beschaffenheit wurde entlang der Spur der Fußspuren gefunden. Es gab keine Anzeichen von Gewalt an der Leiche, und da die medizinischen Befunde darauf hindeuteten, dass der Tod durch Ertrinken verursacht worden war, fällte die Jury das Urteil „ertrunken aufgefunden“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Originaltext: Jacob Locher, a vigneron, aged forty-five years, who was found drowned in Jackson’s Creek on Tuesday. Deceased was at a wine shop on Sunday lost with a fellow-laborer named Duscher, both of them being in the employ of William Bowrie, the owner of a vineyard. Deceased became intoxicated, and his companion agreed to take him home about nine o&#039;clock, when they left together. As Locher did not arrive at homo all night, inquiries were made about him in the morning, and Duscher then stated that deceased had become so bad that he could not go any further, and lay down by a slip panel, and he left him there asleep. Although search was made for him ho was never seen again until Tuesday, when a boy discovered his body in Jackson&#039;s Crock. It was proved that Sunday night was very dark, and footmarks were traced from the place where deceased was left asleep to the bank of the creek. Upon searching the body a quantity of broken glass was found in his coatpocket, and glass of a similar character was found along the track of the footsteps. There were no marks of violence on tho body, and as the medical evidence was to the effect that death had been caused by drowning, the jury returned a verdict of found drowned.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Büchlein&lt;br /&gt;
Johann Ulrich Locher (1817-1862), ein älterer Bruder von Johann Jakob, betrieb ab 1843 zusammen mit seinem später nach den USA und dann nach Melbourne ausgewanderten Bruder Johann Heinrich unter dem Namen „Gebrüder Locher“ eine Lithographische Anstalt, welche auch Zeichnungen von Johann Ulrich Fitzi veröffentlichte (beispielsweise das Alpsteinpanorama). Nach dem Wegzug von Johann Heinrich bezeichnete Johann Ulrich den Betrieb an der Marktgasse in der Stadt St. Gallen „Kunst-, Papier-, Schreib-und Zeichnungs-Materialien-Handlung sowie lithographisch-artistische Anstalt.“ Mit Johannn Heinrich in den USA pflegte Johann Ulrich eine Zeit lang geschäftliche Beziehungen. Johann Ulrich machte sich einen Namen als Verleger von Lithographien von Landschafts- und Ortsansichten aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland. 1857 veröffentlichte er den mit Oktober 1855 datierten Bericht von Johann Jakob unter dem Titel „Nach Australien! Briefe eines Ausgewanderten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bilder&lt;br /&gt;
Das Büchlein ist illustriert mit 8 Bildern. Es sind Kopien von Lithographien des um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreichen Illustrators Samuel Thomas Gill. Eine etwas grössere Abbildung zeigt den Bundesstaat Victoria mit Flüssen, Ortschaften etc. und den damals bekannten Goldfeldern. Die Karte wurde 1856 von George Slater veröffentlicht. Die Bilder von Gill und die Karte fanden den Weg nach St. Gallen zu Johann Ulrich Locher, der sie dem Büchlein beifügte. Johann Jakobs Bruder Heinrich war auch in Melbourne als Lithograf und Publizist tätig, somit ist es wahrscheinlich, dass er die Bilder von Samuel Thomas Gill und die Karte von George Slater als Lithos übernahm oder sie selber druckte und an Johann Ulrich in St. Gallen übermittelte. Überhaupt pflegte Johann Heinrich einen regen Austausch mit Europa, wie verschiedene Berichte importierter Waren zeigen, so eine Lieferung mit dem Schiff Europa vom 1. August 1856 „1000 cases spirits“&lt;br /&gt;
Johann Heinrich ging mit Julius Hamel (1812 - 1894), Zeichner und Illustrator, eine Partnerschaft ein. Gemeinsam hatten sie anfangs März 1858 Werke an der Victorian Industrial Society Exhibition ausgestellt und wurden dort in der Kategorie „Kupferstiche und Lithographie“ mit einer Verdiensturkunde ausgezeichnet. (&amp;gt;An Hamel und Locher, Lithografen und Kupferstecher, Collins-Street 8 West, für Muster der Chromolithografie – Verdiensturkunde) Von Julius Hamel ist bekannt, dass er mit Samuel Thomas Gill in geschäftlicher Verbindung stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Heinrich - John Henry - starb 34-jährig am 23. Juni 1858, nachdem er - wahrscheinlich schwer krank - am 17. Juni in seinem Testament seine Frau Ursula als Willensvollstreckerin und Erbin bezeichnet hatte. Mit 200 £ war das Erbe allerdings eher bescheiden. &lt;br /&gt;
Samuel Thomas Gill kam 1852 zu den Goldfeldern Victorias, wo er rasch eine Reihe von Aquarellen und Tuschezeichnungen schuf, die bei Ausstellungen in Melbourne grossen Anklang fanden. Als versierter Lithograf schuf er zwei bemerkenswerte Serien: „ Victorian Gold Diggings and Diggers of Victoria as They Are “ (1853) und „The Diggings and Diggers of Victoria as They Were in 1852“ (1854). Seine Werke fingen die Essenz des Goldrausches ein und machten ihn zum führenden Künstler seiner Zeit; seine Arbeiten wurden sogar in England und Europa kopiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Jakob Lochers Schrift „Nach Australien! - Briefe eines Ausgewanderten“ wurde 2016 als Nachdruck mit einer Parallelfassung in Englisch und mit erklärenden Anmerkungen von Roland Isler neu herausgegeben. (Melbourne: Gallus Grafica)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine digitale Version des Originalbüchleins (Ausgabe von 1857) bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen ist hier zugänglich. https://gdz.sub.uni-goettingen.de/id/PPN265376939&lt;br /&gt;
Inquiery https://cart.cp.prov.vic.gov.au/pdf//httpsimages.prov.vic.gov.aumanifests9130287134imagesmanifest.pdf&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Kontaktlinsen_aus_Speicher&amp;diff=18600</id>
		<title>Kontaktlinsen aus Speicher</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Kontaktlinsen_aus_Speicher&amp;diff=18600"/>
		<updated>2026-04-17T10:01:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Die Appenzeller  Kontaktlinsen AG ===&lt;br /&gt;
Bereits um 1508 experimentierte Leonardo da Vinci mit kleinen Glasscheiben, um deren Wirkung auf das Auge zu erforschen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Neugier haben sich auch M’hamed Bouhlal und Bernd Brückner verpflichtet. Was sie seit 2010 erforschen, fliesst direkt in die Entwicklung neuer Kontaktlinsen ein.&lt;br /&gt;
Dabei entstehen laufend neue, innovative Produkte &amp;quot;made in speicher&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Momo ===&lt;br /&gt;
Geboren wurde M’hamed Bouhlal 1973 als Sohn einer Berberfamilie im Rif Gebirge bei Aknoul in Marokko. M&#039;hamed kennt man in Speicher unter dem Namen &amp;quot;Momo&amp;quot;. Seine Eltern waren Bauern und bauten auf rund 1000m Höhe Mandeln und Oliven an.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Momo 6 – jährig war, siedelte seine Familie nach Korsika über. Hier musste er in der Schule Französisch lernen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Da seine Muttersprache die Berbersprache ist, schickten ihn seine Eltern später in eine Ausländerschule nach Marokko, um Arabisch zu lernen. Zurück in Korsika machte er eine Lehre als Bootsmechaniker, anschliessend noch eine Zusatzlehre als Automechaniker. Momo hat zwei Brüder, die weiterhin auf Korsika wohnen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=packed-hover|left&amp;gt;&lt;br /&gt;
Image:Momo1.JPG|&amp;lt;small&amp;gt;Momo um 1978&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Image:Momo2.JPG|&amp;lt;small&amp;gt;Momo mit Mutter&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Image:M&#039;hamed Bouhlal.jpg|&amp;lt;small&amp;gt;Momo im Jahr 2026&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
In seinen Sommerferien arbeitete der 16-jährige Momo im Laden des Campingplatzes von Algajola, wo er seine zukünftige Frau Iris Lutz aus Speicher kennenlernte, welche mit ihren Eltern dort Ferien machte.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit 24 Jahren kam er nach Speicher und fand Arbeit in einer Firma für Medizinalartikel in St. Gallen, die Infusionsbeutel herstellte. Über weitere Arbeitgeber fand er eine Stelle bei einem Kontaktlinsenhersteller in St. Gallen. Nach der Heirat und der vorgegebenen Wartezeit erwarb er das Schweizer Bürgerrecht von Wolfhalden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Startup Kontaktlinsen-Produktion === &lt;br /&gt;
Da die bisherigen Arbeitgeber seinen Ansprüchen nicht entsprechen konnten, entschloss er sich zusammen mit Bernd Brückner zur Gründung eines Startups für eine eigene Kontaktlinsenproduktion.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Name des Startups von 2010 mit der Bezeichnung &amp;quot;Lens4me&amp;quot; wurde 2012 in &#039;&#039;&#039;Appenzeller Kontaktlinsen AG&#039;&#039;&#039; geändert, was die Verankerung in der Region betonen soll. In Speicher befindet sich der Hauptsitz. Weitere Büros finden sich in Deutschland, Österreich und Frankreich.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Appenzeller Kontaktlinsen stellen sich vor: ===&lt;br /&gt;
{{#widget:YouTube|width=100%|height=480|id=qMq3SbdBnoo}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;lt;big&amp;gt;Kontaktlinse - ein Medizinprodukt&amp;lt;/big&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
In Speicher entwickelt und forscht ein Spezialistenteam der Appenzeller Kontaktlinsen AG an neuen Produkten.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Produktpalette umfasst den Bereich der hydrophilen und formstabilen Kontaktlinsen und deckt damit den gesamten Einkaufsbereich von Augenärzten und Augenoptikern ab. Die Haltbarkeit der Kontaktlinsen hängt von der Art der Linse ab und kann bis zu einem Jahr betragen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachfolgend die in Speicher produzierten Kontaktlinsentypen für unterschiedliche Anwendungen:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Weiche Halbjahres- und Jahreskontaktlinsen für die Nutzung digitaler Medien wie Smartphone, Computerbildschirm, Tablets und E-Reader.&lt;br /&gt;
* Formstabile Kontaktlinsen, welche bei starker Hornhautverkrümmung und einem grossen Pupillendurchmesser genutzt wird.&lt;br /&gt;
* Sklerallinsen, die sich quasi auf dem Auge festsaugen, damit kein Staub unter die Linse gelangen kann.&lt;br /&gt;
* i-shap-Linse wird genau auf das Auge angepasst, wenn z.B. Vernarbungen der Hornhaut vorliegen.&lt;br /&gt;
* Ortho-K-Linse hilft im Schlaf die Krümmung der Hornhaut bei Kurzsichtigkeit &amp;quot;umzuformen&amp;quot;, um das Auge so zur vollen Sehkraft zu bringen. &lt;br /&gt;
* Keratokonus Linse ist einfach anzupassen und bietet höchsten Tragkomfort. &lt;br /&gt;
* proASSIST hilft, bei Myopie das Längenwachstum des Auges einzudämmen. Diese Linse wird als weiche und formstabile Kontaktlinse produziert. &lt;br /&gt;
* i-MATRIX Multi ist eine ausgezeichnete Linse. Die Linse, die unter der Bezeichnung Binova i-Flex SC Progressive für die französische Firma Novacel hergestellt wird, wurde 2017 mit dem Silmo d’Or ausgezeichnet.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Um die Linsen einfacher auf dem Auge einzusetzen, entwickelte Appenzeller Kontaktlinsen AG eine spezielle Einsetzhilfe für Sklerallinsen, welche ohne Batterie auskommt und ein Leben lang hält.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Produktepalette der Appenzeller Kontaktlinsen AG wird ständig erweitert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Damit ihre Produkte auch international vermarktet werden können, ist ein entsprechendes Netzwerk notwendig. Den Erfolg garantiert auch eine internationale Zertifizierung der Firma.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die stetige Erweiterung neuer Kontaktlinsen-Linien erforderte auch eine Expansion der Produktion, so dass heute rund 30 Mitarbeitende beschäftigt sind.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Heute ist &#039;&#039;&#039;[https://www.appenzeller-kontaktlinsen.ch/de/home Appenzeller Kontaktlinsen AG]&#039;&#039;&#039; wegen ihrer hohen Perfektion einer der führenden Schweizer Hersteller für Kontaktlinsen. Pro Jahr werden hier rund 100&#039;000 Linsen hergestellt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;lt;big&amp;gt;Herstellungsprozess&amp;lt;/big&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
Eine Kontaktlinse ist ein Einzelprodukt und kann nicht serienmässig produziert werden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Für deren Herstellung nutzt Appenzeller Kontaktlinsen AG neuste Fertigungstechnologie mit Maschinen, deren Einstellungen im Nanobereich liegen und damit höchste Präzision beim Schneideverfahren der Kontaktlinsen garantieren. Diese teuren, hochpräzisen Spezialmaschinen werden in Kalifornien hergestellt. Mit ihnen können für praktisch alle Sehfehler unsichtbare Sehhilfen produziert werden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Produktion und Qualitätskontrolle sind &#039;&#039;&#039;«swiss made»&#039;&#039;&#039;, d.h. sämtliche Verarbeitungsschritte finden in Speicher statt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Bestellung für eine Kontaktlinse wird festgelegt, welches Grundmaterial dafür verwendet werden muss.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Rohling für die Kontaktlinse ist ein biokompatibler Polymer-Kunststoff und stammt ausschliesslich aus England oder den USA. Dieser vorproduzierte Zapfen wird mit speziellem Wachs auf Halterungen geklebt und anschliessend in ein Drehmaschinenfutter eingespannt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery mode=packed-hover|left&amp;gt;&lt;br /&gt;
Image:AKL Produktion 1.jpg|&amp;lt;small&amp;gt;Vorbereitung für Dreharbeit&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Image:AKL Produktion 2.jpg|&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Image:AKL Produktion 3.jpg|&amp;lt;small&amp;gt;Dreharbeit&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Image:AKL Produktion 4.jpg|&amp;lt;small&amp;gt;Kontrolle&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Image:AKL Produktion 5.jpg|&amp;lt;small&amp;gt;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
Image:AKL Produktion 6.jpg|&amp;lt;small&amp;gt;Qualitätskontrolle&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Dreharbeit erfolgt nach dem vorgegebenen Rezept eines Arztes oder Fachspezialisten. Das dafür verwendete Diamantenmesser bildet die Linse nach diesem Rezept im Nanobereich nach. Dabei können auch Kontaktlinsen für Augen hergestellt werden, die wegen Verletzungen Vernarbungen aufweisen und daher spezielle Formen brauchen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Produktion ist immer auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Kunden ausgerichtet, denn kein Kunde ist wie ein anderer und kein Auge ist wie ein anderes. Jede einzeln produzierte Linse erhält per Lasergravur eine Produktionsnummer, welche für eine spätere Nachbestellung dem Kunden seine persönliche Linse garantiert.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zum Abschluss des Produktionsprozesses werden die Linsen poliert, geprüft und ausgemessen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Anschliessend werden sie verpackt und gehen in den Versand.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
All diese Tätigkeiten erfordern höchste Reinheit.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==== &amp;lt;big&amp;gt;Kontaktliseninstitut&amp;lt;/big&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
Die Appenzeller Kontaktlinsen AG betreibt in Speicher ein Kontaktlinseninstitut, wo Augen durch Spezialgeräte mit bis zu 500&#039;000 Messpunkten ausgemessen werden können. Hier arbeiten spezialisierte Orthoptisten, um so die optimale Linse im Nanobereich für den Kunden und damit die höchste Qualität herzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die weltweite persönliche Beratung ist ein weiteres Merkmal zur Kundennähe.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Credo der Appenzeller Kontaktlinsen AG lautet:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&amp;quot;Passt&amp;quot; - Das ist unser Versprechen!&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt; &lt;br /&gt;
Quelle: [https://www.appenzeller-kontaktlinsen.ch/de/home Appenzeller Kontaktlinsen AG]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Videoschnitt: Paul Hollenstein&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Text: Paul Hollenstein, 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wirtschaft und Gewerbe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählte Geschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Filmaufnahmen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Stieger_Max_-_Unternehmer_und_M%C3%A4zen&amp;diff=18543</id>
		<title>Stieger Max - Unternehmer und Mäzen</title>
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		<updated>2026-04-13T08:49:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:DSC_0005.JPG|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Elisabeth und Max Stieger&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Max Stieger&#039;&#039;&#039; wuchs in einfachen Verhältnissen im Rorschacherberg auf. Nach einer Banklehre sah er seine berufliche Zukunft im Bereich des Handels. Weil er für die Kunststoff- und die Elektronik-Industrie eine blendende Zukunft voraussah, gründete er 1961 mit zwei Partnern eine Firma für Handel und Produktion von technisch vielversprechenden Produkten: die Regloplas AG. Diese etablierte sich schnell als führende Anbieterin von intelligenten Temperiergeräten für optimale, wirtschaftliche Prozesse in verschiedenen Anwendungstechnologien. Der geschäftliche Erfolg von Max Stieger beruhte nicht nur auf seiner Tatkraft, sondern auch auf seinem grossen Vertrauen in seine Mitarbeitenden und Partner.  Auch wenn die Firma und das gesellschaftliche Engagement viel Zeit in Anspruch nahmen, blieb Max immer ein Familienmensch.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine Ehefrau Elisabeth Stieger führte den Haushalt, hielt damit ihrem Mann den Rücken frei für sein Wirken im prosperierenden Betrieb und engagierte sich ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen von Gemeinde und Pfarrei. Das Ehepaar Stieger wohnte mit ihren drei Kindern viele Jahre am Kirchrain.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als aktive katholische Christen engagierten sich Elisabeth und Max Stieger in der Pfarrei Speicher-Trogen-Wald ideell und eben auch materiell.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit der Gründung der «[[Stiftung Leben im Alter]]» setzten sie ein weiteres Zeichen ihres sozialen Engagements in unserer Gemeinde.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Max Stieger starb im Januar 2026 im 95. Lebensjahr. Seine Frau Elisabeth wurde nach schwerer Krankheit im August 2022 im Alter von 80 Jahren zu Grabe getragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Rückschau auf das Leben von Max Stieger durch seinen Freund [[Auer Eugen|Eugen Auer]], wird deutlich, dass hinter einem erfolgreichen Unternehmer eine starke Frau gestanden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{#widget:YouTube|width=100%|height=480|id=8ZdbRTH1STU}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christian Breitenmoser, Präsident des Kirchenwaltungsrates erinnert sich gerne an das vielseitige Engagement von Elisabeth und Max Stieger in der Katholischen Kirche Speicher-Trogen-Wald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{#widget:YouTube|width=100%|height=480|id=1mapNH7DN4k}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;Text, Fotos, Videoaufnahmen:&#039;&#039; Heinz Naef, April 2026&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählte Geschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Persönlichkeiten]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Filmaufnahmen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
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		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Stieger_Max_-_Unternehmer_und_M%C3%A4zen&amp;diff=18542</id>
		<title>Stieger Max - Unternehmer und Mäzen</title>
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		<updated>2026-04-13T08:15:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:DSC_0005.JPG|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Elisabeth und Max Stieger&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Max Stieger&#039;&#039;&#039; wuchs in einfachen Verhältnissen im Rorschacherberg auf. Nach einer Banklehre sah er seine berufliche Zukunft im Bereich des Handels. Weil er für die Kunststoff- und die Elektronik-Industrie eine blendende Zukunft voraussah, gründete er 1961 mit zwei Partnern eine Firma für Handel und Produktion von technisch vielversprechenden Produkten: die Regloplas AG. Diese etablierte sich schnell als führende Anbieterin von intelligenten Temperiergeräten für optimale, wirtschaftliche Prozesse in verschiedenen Anwendungstechnologien. Der geschäftliche Erfolg von Max Stieger beruhte nicht nur auf seiner Tatkraft, sondern auch auf seinem grossen Vertrauen in seine Mitarbeitenden und Partner.  Auch wenn die Firma und das gesellschaftliche Engagement viel Zeit in Anspruch nahmen, blieb Max immer ein Familienmensch.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine Ehefrau Elisabeth Stieger führte den Haushalt, hielt damit ihrem Mann den Rücken frei für sein Wirken im prosperierenden Betrieb und engagierte sich ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen von Gemeinde und Pfarrei. Das Ehepaar Stieger wohnte mit ihren drei Kindern viele Jahre am Kirchrain.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als aktive katholische Christen engagierten sich Elisabeth und Max Stieger in der Pfarrei Speicher-Trogen-Wald ideell und eben auch materiell.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit der Gründung der Stiftung «[[Stiftung Leben im Alter|Altersresidenz Hof Speicher]]» setzten sie ein weiteres Zeichen ihres sozialen Engagements in unserer Gemeinde.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Max Stieger starb im Januar 2026 im 95. Lebensjahr. Seine Frau Elisabeth wurde nach schwerer Krankheit im August 2022 im Alter von 80 Jahren zu Grabe getragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Rückschau auf das Leben von Max Stieger durch seinen Freund [[Auer Eugen|Eugen Auer]], wird deutlich, dass hinter einem erfolgreichen Unternehmer eine starke Frau gestanden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{#widget:YouTube|width=100%|height=480|id=8ZdbRTH1STU}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christian Breitenmoser, Präsident des Kirchenwaltungsrates erinnert sich gerne an das vielseitige Engagement von Elisabeth und Max Stieger in der Katholischen Kirche Speicher-Trogen-Wald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{#widget:YouTube|width=100%|height=480|id=1mapNH7DN4k}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;Text, Fotos, Videoaufnahmen:&#039;&#039; Heinz Naef, April 2026&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählte Geschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Persönlichkeiten]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Filmaufnahmen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Stieger_Max_-_Unternehmer_und_M%C3%A4zen&amp;diff=18541</id>
		<title>Stieger Max - Unternehmer und Mäzen</title>
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		<updated>2026-04-13T08:13:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:DSC_0005.JPG|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Elisabeth und Max Stieger&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Max Stieger&#039;&#039;&#039; wuchs in einfachen Verhältnissen im Rorschacherberg auf. Nach einer Banklehre sah er seine berufliche Zukunft im Bereich des Handels. Weil er für die Kunststoff- und die Elektronik-Industrie eine blendende Zukunft voraussah, gründete er 1961 mit zwei Partnern eine Firma für Handel und Produktion von technisch vielversprechenden Produkten: die Regloplas AG. Diese etablierte sich schnell als führende Anbieterin von intelligenten Temperiergeräten für optimale, wirtschaftliche Prozesse in verschiedenen Anwendungstechnologien. Der geschäftliche Erfolg von Max Stieger beruhte nicht nur auf seiner Tatkraft, sondern auch auf seinem grossen Vertrauen in seine Mitarbeitenden und Partner.  Auch wenn die Firma und das gesellschaftliche Engagement viel Zeit in Anspruch nahmen, blieb Max immer ein Familienmensch.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine Ehefrau Elisabeth Stieger führte den Haushalt, hielt damit ihrem Mann den Rücken frei für sein Wirken im prosperierenden Betrieb und engagierte sich ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen von Gemeinde und Pfarrei. Das Ehepaar Stieger wohnte mit ihren drei Kindern viele Jahre am Kirchrain.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als aktive katholische Christen engagierten sich Elisabeth und Max Stieger in der Pfarrei Speicher-Trogen-Wald ideell und eben auch materiell.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit der Gründung der Stiftung «[[Stiftung Leben im Alter|Altersresidenz Hof Speicher]]» setzten sie ein weiteres Zeichen ihres sozialen Engagements in unserer Gemeinde.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Max Stieger starb im Januar 2026 im 95. Lebensjahr. Seine Frau Elisabeth wurde nach schwerer Krankheit im August 2022 im Alter von 80 Jahren zu Grabe getragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Rückschau auf das Leben von Max Stieger durch seinen Freund Eugen Auer, wird deutlich, dass hinter einem erfolgreichen Unternehmer eine starke Frau gestanden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{#widget:YouTube|width=100%|height=480|id=8ZdbRTH1STU}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christian Breitenmoser, Präsident des Kirchenwaltungsrates erinnert sich gerne an das vielseitige Engagement von Elisabeth und Max Stieger in der Katholischen Kirche Speicher-Trogen-Wald.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{#widget:YouTube|width=100%|height=480|id=1mapNH7DN4k}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;Text, Fotos, Videoaufnahmen:&#039;&#039; Heinz Naef, April 2026&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählte Geschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Persönlichkeiten]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Filmaufnahmen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Ruppen_-_historischer_%C3%9Cbergang&amp;diff=18532</id>
		<title>Ruppen - historischer Übergang</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Ruppen_-_historischer_%C3%9Cbergang&amp;diff=18532"/>
		<updated>2026-04-01T06:43:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Für richtiges Fuhrwerk war bis weit in&#039;s 18. Jahrhundert hinein nicht eine einzige in&#039;s Appenzellerland führende Strasse fahrbar. Im Winter wurde wohl der Schlitten gebraucht, aber mehr neben, als in den Strassen. Das einzige Fuhrwerk, das man etwa notdürftig anwendete, war der kleine zweirädrige Karren mit zwei hinten auf der Strasse nachschleppenden „Lanten&amp;quot;, der Gabel, auf die man eine kleine Last legen konnte. Die hauptsächlichsten alten Strassenzüge führten naturgemäss dem Verkehrsbedürfnis entsprechend, von St. Gallen und den übrigen umliegenden Kirch- und Handelsorten her in&#039;s Land hinein. Der wichtigste unter ihnen war der zugleich dem weitern Durchgangsverkehr dienende Zug: St. Gallen, Speicher, Trogen, Ruppen, Altstätten. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Jahre 1212 sah diese Strasse einen stattlichen Zug. Der deutsche [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_II._(HRR) Kaiser Friedrich II.] kam mit grossem Gefolge von Sizilien her durch&#039;s Tirol und Chur. Abt Ulrich VI. von St. Gallen holte ihn mit so vielem Kriegsvolke, als er auftreiben konnte, in Altstätten ab und geleitete ihn feierlich über den „Ruggbein&amp;quot; und Trogen nach St. Gallen und nach ein paar Rasttagen weiter nach Konstanz. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Hauptweg historisch.jpg|mini|Historische Hauptroute durch Speicher]]Der Weg führte von St. Gallen durch&#039;s Steingrübli, über&#039;s Jüch und den Kapf, durch&#039;s Loch nach Vögelinsegg, von da über die Höhe durch Hochrüti gegen den Brand, hinter dem Ack (im Hinterdorf Speicher) durch Herbrig und Schupfen, dann nach Rütenen, über den Bach nach Blatten, Bendlehn, nach dem Sägli, am Hochgericht vorbei über Thrüen, hinter dem Ast zur Landmarch nach Altstätten hinunter. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Merkwürdigerweise war von alten Zeiten her die Stadt St. Gallen zum Unterhalt dieser Strasse bis zum Ruppen verpflichtet, während Altstätten das Stück auf seinem Gebiet zu besorgen hatte. Die Appenzeller waren aber mit den Leistungen der Stadt nicht zufrieden und übernahmen im Jahr 1609 auf ihrem Boden diese Pflicht selbst, [[Ruppen 1831|ohne sie aber während langer Zeit besser zu erfüllen.]] Wirkliche Verbesserungen wurden erst von 1723 an vorgenommen, zuerst unterhalb Vögelinsegg. 1777 wurde die gewölbte Brücke über den Bruggbach gebaut, nach und nach die Hohlstrassen in Speicher aufgefüllt und die Strasse stellenweise weiter aufwärts verlegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;lt;small&amp;gt;(Appenzeller Kalender 193 (1914): Salomon Schlatter, St. Gallen: Von alten Wegen und Stegen im Appenzellerland)&amp;lt;/small&amp;gt;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1838 wurde die [[Suezkanal und Speicher?|Ruppenstrasse]] gebaut, ihre Bedeutung schwand aber mit dem Bau der Eisenbahn, welche das Rheintal mit St. Gallen verband.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;Text:&#039;&#039; Peter Abegglen Februar 2017&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verkehrswege]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geografie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Speicher_im_Fokus&amp;diff=18453</id>
		<title>Speicher im Fokus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Speicher_im_Fokus&amp;diff=18453"/>
		<updated>2026-03-18T15:18:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Spannende Zeitreisen&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Spaziergänge, der viel Wissenswertes mit sich bringen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Fokus 1.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Fokus 3.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
15 sogenannte „Stelen“ nehmen mit ihrer Zielvorrichtung Häuser mit besonderer Geschichte in den Fokus. Sie bilden das Projekt „Speicher im Fokus“. An jeder Stele wird auf ein anderes Gebäude fokussiert, ein kurzer Text vermittelt Informationen zur Geschichte des Gebäudes, an der Innenseite zeigt ein Bild einen Fokus aus früherer Zeit – eine spannende und interessante zeitgeschichtliche Sicht!&lt;br /&gt;
Anna Pfeiffer hat die Stelen entworfen, in der Schlosserei von Marcel Müller sind sie entstanden – er ist auch verantwortlich für die „Treffsicherheit“, die Texte stammen von Peter Abegglen. &lt;br /&gt;
Die Standorte der Stelen lassen sich etappenweise erwandern, sei es auf den unten angegebenen Rundwegen, sei es auf selbst gewählten Etappen. In ihrer Gesamtheit führen sie einmal quer durchs Dorf. Auf dem kleinen Rundweg passieren Sie auch den 200 Meter langen [[Eugsterweg]], welcher Leben und Wirken der Brüder [[Eugster Arthur|Arthur]] und [[Eugster Howard|Howard]] Eugster würdigt. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die ersten 10 Stelen wurden 2009, zum 700-Jahr Jubiläum von Speicher, aufgestellt. 2017 wurden sie aktualisiert und mit QR-Codes versehen, die auf Wikiseiten verweisen und 2026 konnten dank der Unterstützung durch die [https://www.raiffeisen.ch/heiden/de/ueber-uns/ihre-bank-vor-ort.html?cid=rb:rch-45c:google:mc-sea-mybusiness:speicher Raiffeisenbank Heiden/Speicher] weitere 5 Stelen aufgestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Standorte der Stelen ==&lt;br /&gt;
{{#widget:Google Maps&lt;br /&gt;
|lat=47.413000&lt;br /&gt;
|lng=9.438800&lt;br /&gt;
|zoom=15&lt;br /&gt;
|marker.A.lat=47.411922&lt;br /&gt;
|marker.A.lng=9.442479&lt;br /&gt;
|marker.A.title=Stele Nr. 2 Röhrenbrugg -&amp;gt; Zuberbühler Haus&lt;br /&gt;
|marker.A.text=&amp;lt;a href=&amp;quot;Zuberbühler Haus&amp;quot;&amp;gt;Zuberbühler Haus&amp;lt;/a&amp;gt;&lt;br /&gt;
|marker.A.icon=https://wikispeicher.ch/w/skins/Speicher/images/pins/blau.png&lt;br /&gt;
|marker.B.lat=47.415520&lt;br /&gt;
|marker.B.lng=9.447169&lt;br /&gt;
|marker.B.title=Stele Nr. 6 Flecken -&amp;gt; Waisenhaus&lt;br /&gt;
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|marker.E.title=Stele Nr. 10 Höhenweg -&amp;gt; Reformierte Kirche&lt;br /&gt;
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|marker.F.title=Stele Nr. 8 Bundesratslinde -&amp;gt; ehemaliges Gasthaus Birt&lt;br /&gt;
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|marker.N.title=Stele Nr. 12 Schlachtdenkmal -&amp;gt; Toblerdenkmal - Anekdoten zur Entstehung//Steinbruch Vögelinsegg&lt;br /&gt;
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|marker.O.title=Stele Nr. 5 Schönenbühl -&amp;gt; Fernwärmenetz&lt;br /&gt;
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|marker.P.title=Stele Nr. 4 Schrebergarten -&amp;gt; Schönenbühl vom Armenhaus zum Altersheim&lt;br /&gt;
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}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rundwege mit Stelen &amp;quot;Speicher im Fokus&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Wikispeicher schlägt zwei Rundwege vor: der kleine, knapp einstündige Rundweg umfasst den engeren Dorfbereich und ist leicht begehbar, der grosse, rund zweistündige Rundweg folgt auf weiten Strecken - teilweise auf Feldwegen - dem ausgeschilderten &amp;quot;Weg um Speicher&amp;quot; und bietet zusätzlich prachtvolle Ausblicke in den Alpstein, die Vorarlberger Alpen und auf den Bodensee.[[Datei:Rundweg Dorf Stelen 1-8.jpg| 400px|thumb|left| Stelenrundweg klein]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Rundweg gross entlang des Weg um Speicher.jpg| 400px|thumb|right| Stelenrundweg gross]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Häusergeschichten]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Speicher_im_Fokus&amp;diff=18430</id>
		<title>Speicher im Fokus</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Speicher_im_Fokus&amp;diff=18430"/>
		<updated>2026-03-10T07:37:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: /* Standorte der Stelen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Spannende Zeitreisen&#039;&#039;&#039; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Spaziergänge, der viel Wissenswertes mit sich bringen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Fokus 1.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Fokus 3.jpg|mini]]&lt;br /&gt;
15 sogenannte „Stelen“ nehmen mit ihrer Zielvorrichtung Häuser mit besonderer Geschichte in den Fokus. Sie bilden das Projekt „Speicher im Fokus“. An jeder Stele wird auf ein anderes Gebäude fokussiert, ein kurzer Text vermittelt Informationen zur Geschichte des Gebäudes, an der Innenseite zeigt ein Bild einen Fokus aus früherer Zeit – eine spannende und interessante zeitgeschichtliche Sicht!&lt;br /&gt;
Anna Pfeiffer hat die Stelen entworfen, in der Schlosserei von Marcel Müller sind sie entstanden – er ist auch verantwortlich für die „Treffsicherheit“, die Texte stammen von Peter Abegglen. &lt;br /&gt;
Die Standorte der Stelen lassen sich etappenweise erwandern, sei es auf den unten angegebenen Rundwegen, sei es auf selbst gewählten Etappen. In ihrer Gesamtheit führen sie einmal quer durchs Dorf. Auf dem kleinen Rundweg passieren Sie auch den 200 Meter langen [[Eugsterweg]], welcher Leben und Wirken der Brüder [[Eugster Arthur|Arthur]] und [[Eugster Howard|Howard]] Eugster würdigt. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mit etwas mehr als 4 Kilometern Länge ist der Weg für jung und alt gut begehbar. Der Weg führt auch nicht über Wiesen oder Feldwege, somit benötigen Sie kein besonderes Schuhwerk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die ersten 10 Stelen wurden 2009, zum 700-Jahr Jubiläum von Speicher, aufgestellt. 2017 wurden sie aktualisiert und mit QR-Codes versehen, die auf Wikiseiten verweisen und 2026 konnten dank der Unterstützung durch die Raiffeisenbank Heiden/Speicher weitere 5 Stelen aufgestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Standorte der Stelen ==&lt;br /&gt;
{{#widget:Google Maps&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Rundwege mit Stelen &amp;quot;Speicher im Fokus&amp;quot;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Wikispeicher schlägt zwei Rundwege vor: der kleine, knapp einstündige Rundweg umfasst den engeren Dorfbereich und ist leicht begehbar, der grosse, rund zweistündige Rundweg folgt auf weiten Strecken - teilweise auf Feldwegen - dem ausgeschilderten &amp;quot;Weg um Speicher&amp;quot; und bietet zusätzlich prachtvolle Ausblicke in den Alpstein, die Vorarlberger Alpen und auf den Bodensee.[[Datei:Rundweg Dorf Stelen 1-8.jpg| 400px|thumb|left| Stelenrundweg klein]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Rundweg gross entlang des Weg um Speicher.jpg| 400px|thumb|right| Stelenrundweg gross]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Häusergeschichten]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Mausoleum_f%C3%BCr_deutsche_Kriegshelden&amp;diff=18429</id>
		<title>Mausoleum für deutsche Kriegshelden</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Mausoleum_f%C3%BCr_deutsche_Kriegshelden&amp;diff=18429"/>
		<updated>2026-03-09T08:46:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Als Speicher beinahe eine Kriegergedenkstätte bekam ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen [[Media:Eggenberger_Hans_Das Denkmal.pdf| Memoiren]] zur Entstehung des Toblerdenkmals erwähnt Hans Eggenberger die fast gleichzeitig voran getriebene Idee zur Errichtung einer Kriegergedenkstätte für deutsche Soldaten, die während des ersten Weltkriegs in der Schweiz interniert wurden, in der Schweiz verstarben und auf verschiedenen Friedhöfen beerdigt wurden. Grund für eine gemeinsame letzte Ruhe- und Gedenkstätte war - neben propagandistischer „Heldenverehrung“ - die in der Schweiz übliche Aufhebung der Gräber nach zwanzig Jahren.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Treibende Kräfte für eine Kriegergedenkstätte ===&lt;br /&gt;
Das ganze Vorhaben stand im Zusammenhang mit einer vom Naziregime angeregten Idee einer Art Heldenverehrung. Überall dort, wo ehemalige deutsche Soldaten begraben waren, wurden sie ungefragt zu Helden erklärt und deshalb sollte ihnen ein Denkmal errichtet werden. Als Institution, die diese Aufgabe übernahm, wurde der «Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge» beauftragt. Das reichsdeutsche Konsulat in Zürich koordinierte die Tätigkeiten schweizweit, Ortsgruppen wurden gegründet und sofort aktiv, so der «Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Landesverband Schweiz, Ortsgruppe St. Gallen». In der Umgebung von St. Gallen plante und unterstützte das deutsche Konsulat in St. Gallen verschiedene Aktionen der Frontisten. So beispielsweise durch den Konsulatsangestellten Josef August Bucher, der wohl beim Vorhaben der Gedenkstätte in der Ostschweiz eine führende Rolle spielte, wie die [[Media:Polizeiakte_Bucher_J_A.pdf| Polizeiakte]] aus den 1940er-Jahren vermuten lässt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Standortsuche mit Blick ins „Reich“ ===&lt;br /&gt;
Die Ortsgruppe St. Gallen suchte nach einem prominenten Standort, bevorzugt nach einem Höhenzug, der den Blick weit hinein nach Deutschland ermöglichte, wie es Hans Eggenberger in seinen Memoiren trefflich schreibt: &#039;&#039;„…Nun, für eine solche, weit im Land draussen sichtbare Steinmasse schien den Initianten aus dem Norden das Haupt von Vögelinsegg wie geschaffen. Es liess sich hier vorstellen, wie die verstorbenen Helden ihr Heimatland im Norden grüssen.“&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Anhöhe von [[Schlachtdenkmal|Vögelinsegg]] scheint bei den Frontisten eine grosse Symbolkraft gehabt zu haben, fand doch am 5. Juli 1938 ein Programmteil der Gautagung von St. Gallen auf Vögelinsegg statt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anfrage und Absage in Speicher ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Hauke Adolf.jpg|mini|rechts|&amp;lt;small&amp;gt;Adolf Hauke, Druckereiinhaber in Speicher&amp;lt;/small&amp;gt;]]Die erste Standortidee war neben Teufen vor allem Speicher mit der Vögelinsegg. Buchdrucker Adolf Hauke (er druckte in Speicher für die Frontisten Zeitschriften, Flugblätter etc.), ein Pfarrer aus Konstanz, wohl auch Josef August Bucher aus St. Gallen, erkundigten sich bei Gemeindehauptmann Locher von Speicher, wie sich die Behörden zum Bau eines Kriegerdenkmals stellen würden.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Idee stiess allerdings auf wenig Gegenliebe, wie ein Auszug aus dem Gemeinderatsprotokoll vom September 1936 zeigt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Druckereiinhaber Adolf Hauke, deutscher Staatsangehöriger, erscheint in keiner Liste als Nationalsozialist. Dennoch pflegte er eine gewisse Nähe zu den Frontisten, führte er doch in deren Auftrag wiederholt Druckaufträge aus. Für die Anfrage in Speicher dürfte er die Rolle eines &amp;quot;Türöffners&amp;quot; gespielt haben.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinderatsprotokoll vom September 1936 ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Gemeinderatsprotokoll Speicher, Dez- 1936.png|1200 px]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter dem Titel „Allgemeine Umfrage: deutsche Kriegerdenkstätte“ findet sich dort folgender Eintrag:&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Hr. Hauptmann Locher relatiert, dass vor einiger Zeit Herr Adolf&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Hauke, Buchdrucker in Speicher, mit 4 deutschen Herren bei ihm vorge-&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;sprochen sei zwecks  beabsichtigter Erstellung einer deutschen Kriegerdenk-&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;stätte auf dem Höhenzug Vögelinsegg. Herr Hptm. Locher nimmt Rücksicht&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;auf die historische Bedeutung&#039;&#039; [Denkmal an die Schlacht bei Vögelinsegg von 1403] &#039;&#039;des in Frage kommenden Bauplatzes; ferner&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&#039;&#039;dürfen auch etwelche eventuell nachteilige spätere Folgeerscheinungen in poli-&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;tischer Hinsicht nicht ganz ausser acht gelassen werden. In Berücksichtig-&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ung dessen, hat Hr. Hptm. Locher sich dem Gesuche der deutschen Herren&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;negativ verhalten. Diese Auffassung bezw. das Vorgehen des tit. Hauptmann-&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;amtes wird durch den Gemeinderat diskussionslos sanktioniert.&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bauvorhaben auf Kurzegg ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Grundriss Denkmal Stadtarchiv SG.jpg|mini|left|&amp;lt;small&amp;gt;Baueingabe Grundriss&amp;lt;/small&amp;gt; ]]&lt;br /&gt;
Die Frontisten liessen allerdings nicht locker. Auf Kurzegg erwarb rund vier Monate später ein Schweizer Architekt aus St. Gallen vom Kurzegg-Wirt auf dem Hügelzug westlich des Gasthauses Kurzegg ein Stück Bauland von ursprünglich 900 m&amp;lt;sup&amp;gt;2&amp;lt;/sup&amp;gt; für den Bau einer „einfachen, schlichten Soldatengedenkstätte“ für die in der Ostschweiz verstorbenen und auf verschiedenen Friedhöfen begrabenen deutschen internierten Soldaten.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
Die [[Media:Plan Deutsche Kriegsräberstätte auf Kurzegg 1937.pdf|Baupläne]] (sie befinden sich nebst andern Unterlagen zur Baueingabe in der &amp;quot;Baudokumentation, Stadt St.Gallen&amp;quot;) waren bereits erstellt und sahen ein Mausoleum von über 30m Länge und und 16m Breite mit Ehrenhalle und weithin sichtbarem, 12 m hohem Turm vor.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Misstrauen in Bevölkerung und Politik ===&lt;br /&gt;
Sowohl in Speicher und vor allem dann in St. Gallen regte sich nach ersten Gerüchten des Vorhabens heftiger Widerstand. Nochmals Hans Eggenberger: &#039;&#039;„Doch die ortsansässige Bevölkerung war nicht einverstanden. Die wildesten Gerüchte erhoben sich. Es hiess, die Errichtung eines Ehrenmals sei nur ein Vorwand, in Wirklichkeit sei geplant, eine deutsche Festung zu bauen. Der Hinweis auf vermehrten Fremdenverkehr und damit vermehrte Einnahmen nützte gar nichts. Die Leute um Vögelinsegg kannten nur Denkmäler bestehend aus einer bescheidenen Figur oder einer Kapelle, nicht jedoch solche monumentalen, massigen Steinbauten, wie sie hier geplant waren, die selbst die tapferen Ritter des Mittelalters in ihren Gräbern vor Neid hätten blass werden lassen. Die ungewohnten Ausmasse des geplanten Denkmals mögen viel dazu beigetragen haben, dass das Festungsgerücht von vielen Leuten für bare Münze genommen wurde, dies umso mehr, weil damals jede deutsche Handlung mit Kriegsrüstung in Zusammenhang gebracht wurde. Es erhob sich ein solcher Sturm gegen dieses Denkmalprojekt, dass deren Urheber von ihrem Plan abliessen (…). …“&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch für den Standort Kurzegg lösten sich die Pläne in Luft auf, denn nicht nur die Bevölkerung, auch die Politik (Kantons- und Regierungsrat) - unterstützt durch Berichte in den Tageszeitungen „Ostschweiz“, „Volksstimme“ und „Tagblatt“, sowie einer Einschätzung des Eidgenössischen Militärdepartements - lehnten die Pläne vehement ab.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Lerchenberg Kriegsgräberstätte.jpg|mini|rechts]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lerchenberg bei Meersburg statt Vögelinsegg ==&lt;br /&gt;
Der „Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge“ gab sich mit den negativen Entscheiden in St. Gallen und Umgebung nicht zufrieden und beschloss, die Toten in „heimatlicher Erde“ beizusetzen. &lt;br /&gt;
Das Denkmal wurde bei Meersburg/Hagnau am deutschen Bodenseeufer auf dem Lerchenberg in den Jahren 1937 und 1938 erstellt. Der Bau des mächtigen, 120 mal 70 Meter grossen Monuments nach dem Vorbild einer germanisch- heidnischen Totenburg, wurde zügig begonnen. Im Dezember 1938 wurden die aus Schweizer Gräbern exhumierten Gebeine von 69 Verstorbenen in einer feierlichen und pompösen Zeremonie per Schiff von Konstanz nach Meersburg übersetzt und anschliessend in der noch unvollendeten Gedenkstätte beigesetzt. Der Monumentalbau wurde zunächst aus Geldmangel, nach dem Krieg aus ideologischen Gründen nicht fertig gestellt und erst nach längeren Diskussionen entschloss man sich 1962, die hohe Umfassungsmauer und die beiden Türme abzubrechen und den Platz in eine schlichte Gedenkstätte als Mahnmal für den Frieden umzuwandeln.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die Anlage in ihrer heutigen Gestalt und wurde 1964 eingeweiht. Sie wurde den zwei Millionen Vermissten der beiden Weltkriege sowie all jenen Kriegstoten als Gedenkstätte gewidmet, deren Gräber lange Zeit weltweit unerreichbar waren. Die Geschichte des Lerchenbergs spiegelt den fundamentalen Wandel des Gedenkens an die Kriegstoten der letzten 100 Jahre wieder: von der Heldenverehrung in der Zeit des Nationalsozialismus hin zum mahnenden Gedenken in freiheitlicher Demokratie.&amp;quot; (Aus: Volksbund Kriegsgräberstätten)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Geschichte der Entstehung der Gedenkstätte ist auf einer [[Media:Infotafel_Lerchenberg.pdf| Infotafel]] zusammen gefasst.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Doch noch ein Denkmal auf Vögelinsegg ==&lt;br /&gt;
Der Verzicht auf das Bauvorhaben einer monumentalen Kriegergedenkstätte auf Vögelinsegg ermöglichte 1938 an gleicher Stelle die Errichtung des [[Toblerdenkmal - Anekdoten zur Entstehung|Gedenksteins für Johann Heinrich Tobler]], dessen Todesjahr sich damals zum 100. Mal jährte.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Ironie der Geschichte === &lt;br /&gt;
[[Datei:Lerchenberg_2024.jpeg|mini|links|&amp;lt;small&amp;gt;Blick vom Lerchenberg zum Alpstein&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Vögelinsegg Kapf Lerchenberg.jpg|150px|rechts]]&lt;br /&gt;
Bei guter Fernsicht sind alle drei Anhöhen, die im Visier der Nationalsozialisten standen - der Lerchenberg, Vögelinsegg und Kurzegg - in gegenseitiger &#039;&#039;&#039;Sichtweite&#039;&#039;&#039;. Geändert hat sich die &#039;&#039;&#039;Sichtweise&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;Text:&#039;&#039; Peter Abegglen, August 2024&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Quellen:&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hans Eggenberger [[Media:Eggenberger_Hans_Das Denkmal.pdf|„Das Denkmal“ (S. 13)]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gemeindearchiv Speicher, GSP A.1, 2/5, Seite 128 (Gemeinderatsprotokoll September 1936)&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ernst Ziegler, Stadtarchivar St. Gallen in «Die Ostschweiz» vom 24. und 25. Juli 1974 „Auch St.Gallen sollte eine deutsche Kriegsgräberstätte bekommen“&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Baudokumentation, Stadt St.Gallen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Schweizerisches Bundesarchiv: Dokument_0000037; Signatur E4320B#1973/87#49*; Aktenzeichen C.2.1009&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Stadtarchiv Meersburg: div. Unterlagen zur Gedenkstätte Lerchenberg&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[https://kriegsgraeberstaetten.volksbund.de/friedhof/meersburg-lerchenberg Volksbund Kriegsgräberstätten]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtenspeicher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Politik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zweiter Weltkrieg]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Denkmalschmuck_Gartenzwerg&amp;diff=18428</id>
		<title>Denkmalschmuck Gartenzwerg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Denkmalschmuck_Gartenzwerg&amp;diff=18428"/>
		<updated>2026-03-09T08:45:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ein Gartenzwerg zum Denkmalschmuck wurde ===&lt;br /&gt;
Prof. Arnold Eugster (Chropf Noldi), damals Lehrer der Kantonsschule Trogen, war massgeblich für das [[Toblerdenkmal_-_Anekdoten_zur_Entstehung|Errichten des Denkmals]] für den Sängervater [[Tobler Johann Heinrich|Johann Heinrich Tobler]] auf Vögelinsegg beteiligt. Ihm wurde auch die Ehre zuteil, die Einweihungsansprache zu halten. Pflichtbewusst hat er vorher mehrere Male lauthals die Ansprache auf Vögelinsegg eingeübt. Dabei war oft von Toblers Mannen die Rede. Später, nach der Einweihung, gab’s an einem Sonntagmorgen beim Denkmal eine Attraktion: Da stand ein übergrosser Gartenzwerg mit einer Angelrute auf dem Stein!! An der Angel war ein Zettel, worauf geschrieben stand: Hier sind die Mannen des Professors!&lt;br /&gt;
Folge: Ein emsiges Suchen nach den „unflätigen“ Tätern, eine Klage wegen Denkmalschändung, Verdächtigungen usw. Die drei Kollegen, E. F., K. G., H. E. konnten sehr lange dicht halten. &lt;br /&gt;
Übrigens: der Gartenzwerg stand vorher und nachher im kleinen Garten am Goldfischteich vor der Malerei Hutterli. Das Gärtchen wurde später ein Opfer des Strassenausbaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;&#039;&#039;Nach Erzählungen aus der Jugendzeit von Pfarrerssohn Hans Eggenberger, erinnert von Erich Zellweger&#039;&#039;&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichtenspeicher]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zweiter Weltkrieg]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Kriegskinder_auf_Erholungsurlaub&amp;diff=18427</id>
		<title>Kriegskinder auf Erholungsurlaub</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wikispeicher.ch/w/index.php?title=Kriegskinder_auf_Erholungsurlaub&amp;diff=18427"/>
		<updated>2026-03-09T08:41:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Pabegglen: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Nach dem zweiten Weltkrieg sind auf Initiative des Roten Kreuzes viele Kinder aus den Kriegsgebieten zur Erholung und Genesung in die Schweiz eingeladen und bei Gastfamilien untergebracht worden. &lt;br /&gt;
Aus Anlass des Jubiläums „150 Jahre Schweizerisches Rotes Kreuz“ hat das Schweizer Fernsehen zu diesem Thema eine Dok-Sendung ausgestrahlt. Darin erzählt Anton Partl, der als Kind bei Familie Schmid im Bruggmoos 14 mehr als einmal für mehrere Monate zur Erholung weilte, von seinen Erlebnissen. Elsbeth Honegger, geborene Schmid, war in jener Zeit das jüngste von 3 Kindern der Familie Schmid und glücklich über die neuen „Gspänli“.&lt;br /&gt;
Anton Partl war oft Kindsmagd von Heinzli, Heinz Schmid ( 1-jähig). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausschnitt (6 min) aus der Dok-Sendung des Schweizer Fernsehens vom 26. Mai 2016:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{#widget:YouTube|width=100%|height=480|id=kMCrd1iQX6Y}}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganze DOK-Sendung (ca. 53 Min.) vom 26. Mai 2016: [http://w2ww.srf.ch/play/tv/dok/video/auf-der-suche-nach-menschlichkeit?id=230ad66e-3d2a-45d2-a1a6-7cb91084358c#t=12.6379 hier klicken].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählte Geschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Filmaufnahmen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zweiter Weltkrieg]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Pabegglen</name></author>
	</entry>
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