Zuberbühler Haus

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Um 1800, ursprüngliche Form mit Quergiebel
Häuser im Oberdorf um 1815, Federaquarell von Johann Ulrich Fitzi
Haus des Landammanns Zuberbühler
Sehenswertes Barockportal
Wappen der Zuberbühler im Schlussstein

Das Haus des Landammanns Zuberbühler (Dr. med. Joh. Jakob Zuberbühler 1723 - 1803) wurde von Baumeister Johannes Grubenmann aus Teufen (Bruder des berühmten Architekten Hans Ulrich G.) im Jahre 1747 erbaut, damals noch mit zwei ein Kreuzfirstdach bildenden Mansardgiebeldächern. 1764 wurden zwei Gärten und ein Springbrunnen angelegt und um 1815 erfolgte durch Umbau eine Vergrösserung und Veränderung (quergiebelloses Walmdach) zur heutigen Gestalt. Dem Haus musste das heutige Spycherstöbli weichen, "weggestossen worden hinunter, ..." Einer ebenfalls neu erstellten Remise auf der gegenüberliegenden Strassenseite (Strasse nach Teufen über Schiben) musste das damalige erste Schulhaus weichen, es ist heute das Wohnhaus Buchenstrasse 6 im Töbeli. An der Stelle der Remise steht die ehemalige Drogerie Spielmann.

Eugen Auer hat aus Anlass des literarischen Häuserspaziergangs am Dorffest 2009 "700 Jahre - grosse Sprünge" die Geschichte des wohl schönsten Ausserrhoder Fabrikantenhauses in launige Verse gefasst:

Dies schöne, stattliche Gebäude
war einst der Leseratten Freude,
doch ehe ich davon berichte,
ein kurzes Wort zu der Geschichte,
die sich wohl sehen lassen kann.
Ein Zuberbühler-Landammann
der wollte bauen, und zwar goss,
leicht ob dem Dorf, im Obern Moos
wie dieser Platz damals genannt.
Ein Zimmermann, der sehr bekannt,
Johannes Grubenmann mit Namen,
erhielt mit finanziellem Rahmen
den Auftrag für die stolze Baute.

Da Zuberbühler ihm vertraute,
entstand in edlen Proportionen
ein Haus für Zuberbühlers Wohnen.
Zweihundertzweiundsechzig Jahre
ist`s her, dass dieser wunderbare
Palast des Landammanns entstand.
Gehauen in den Stein aus Sand
sieht man noch heute ob der Pforte
ein Wappen von der edlen Sorte,
das damals Zuberbühlers eigen,
und auch das Baujahr lässt sich zeigen;
die ganz genaue Jahreszahl
steht auf dem hinteren Portal.


Die Zuberbühlers starben aus,
und letzten Endes ging das Haus
an Zürchers, die bereits schon hier,
und zwar im Kalabinthquartier,
als Teppichwäscher tätig waren.
Als dann, noch gar nicht alt an Jahren
Herr Zürcher jäh verstarb, da blieb
die Gattin Emmy im Betrieb,
bis dass sie Knechts als Käufer fand.

Was sollte sie im Ruhestand
allein im grossen Hause tun?
Sich darin einfach auszuruhn,
war nicht nach Emmy Zürchers Sinn.
Für einen guten Neubeginn
fand Lehrer Schläpfer hier am Ort
für Emmy dann das Schicksalswort.
Er sprach, wir wären geistig reicher,
wenn wir in Zukunft hier im Speicher
auch eine Bücherstube hätten
wie sonst nur in den grossen Städten.
Ihm schien, dass bei der alten Frau
im allzu grossen Zürcherbau
doch Räume für die Bücher seien,
und um dieselben auszuleihen
kam Emmy ihm geeignet vor.
Er fand bei ihr ein offenes Ohr,
und so begann, was läuft bis heuer:
das Speicher-Bücher-Abenteuer!
Die Frau erwarb zu eignen Lasten
an Büchern, was die Räume fassten.
Gestelle wurden eingebaut,
die Bücherwelt darin verstaut,
und alsbald strömten schon die Kunden,
die wachen Geists für Mussestunden
Frau Zürcher um Lektüren baten.
Die Dame pflegte zu beraten;
sie achtete, dass jeder fasste,
was ihm entsprach und zu ihm passte,
und war besonders vehement
erpicht darauf, dass streng getrennt
die Mädchenbücher von den Knaben;
und sollte es doch Mädchen haben,
die nach den Knabenbüchern griffen,
so wurden sie zurückgepfiffen.

Heut frägt man sich zu Recht, wie wär es
in Sachen Bibliothekäres
in unserem Speicher wohl bestellt
wenn damals nicht die Bücherwelt,
vor fünfzig Jahren ungefähr,
in diesem Haus entstanden wär?
Hier wurde wohl der Keim gesetzt
für dieses grosse Werk von jetzt,
das Hannelore weiterführt,
wofür ihr unser Dank gebührt,
wie auch den andern guten Geistern,
die unsere Bücherstube meistern,
mit ihrer grossen Bücherschwemmi.
Das freut im Himmel Zürchers Emmy.

6. Juni 2009, Haus Oberdorf 2

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