Sonnengesellschaft Kulturspeicher

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Die Sonnengesellschaft - eine Lesegesellschaft[Bearbeiten]

1820 gründete Landsfähnrich Johann Heinrich Tobler, der Komponist des Ausserrhoder Landsgemeindeliedes, zusammen mit 17 Gesinnungsgenossen die Sonnengesellschaft Speicher. Sie trat zunächst unter dem Namen "Gesellschaftlicher Verein zur Sonne" an die Öffentlichkeit. Zweck war gemäss Statuten der „engere Kontakt gebildeter und bildungsliebender Männer zum Zwecke gegenseitiger Unterhaltung und Belehrung“, Tagungsort war in den Anfängen das Restaurant zur Sonne. Etwas später war über viele Jahre hinweg die "Krone" das Stammlokal der heute ausschliesslich kulturell ausgerichteten Gesellschaft. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens war die Sonnengesellschaft mit ihrem fortschrittlich-liberalen Boden auch im sozialen und im politischen Bereich aktiv.


Lesegesellschaften – noch immer von Bedeutung[Bearbeiten]

Geradezu als Prototyp einer Lesegesellschaft, die die Ausserrhoder Vereinslandschaft teilweise bis in die Gegenwart zumindest im Kulturbereich prägen, mag die heute in Speicher noch immer einen wichtigen Stellenwert innehabende Sonnengesellschaft gelten. Sie hatte allerdings kaum je – wie teilweise in anderen Dörfern – den Charakter eines direkten politischen Akteurs oder Parteiersatzes, auch wenn man das Tagesgeschehen durchaus kritisch diskutierte und Ideen einbrachte, wie etwa bei Revisionen des Landbuchs (heute Verfassung). Mit Blick auf die Sonnengesellschaft Speicher sei nicht unerwähnt, dass sie als die Mutter aller Lesegesellschaften gilt. Sie hatte zwei Vorgängerinnen, die allerdings nicht lange bestanden.

In den ersten Jahrzehnten leistete die Gesellschaft nachhaltige Beiträge auf den Gebieten der Armenfürsorge, des kirchlichen Lebens, der Volkshygiene, des Schulwesens, einer Privat-Brandversicherungsgesellschaft oder der Pflege der allgemeinen Volksbildung mit teilweise ausgeprägt patriotischer Ausrichtung. Als bemerkenswert zu erwähnen bleibt noch die bereits früh eingetretene Kontaktnahme mit ähnlich ausgerichteten Gesellschaften, etwa in der Nachbargemeinde Trogen oder mit dem „wissenschaftlichen Verein St.Gallen“

Von der „Lesegesellschaft“ zur Kulturvermittlerin[Bearbeiten]

Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist die gemeinsame Lektüre und Besprechung von Schriften, einst ureigene Aufgabe und Existenzberechtigung einer Lesegesellschaft vollständig entfallen. Die Bibliothek wurde nur noch wenig in Anspruch genommen, das Zirkulieren von Lesemappen erfuhr ebenfalls abnehmendes Interesse und wurde gegen Ende des 20. Jahrhunderts eingestellt. Auch die gemeinnützige Ausrichtung, ausser etwa der Lehrlingsunterstützung über einen zweckgebundenen Fonds, geriet zunehmend in den Hintergrund. Es fehlte zeitweise auch an Geldmitteln. Die Tätigkeit verlegte sich spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Organisation von Vortragsabenden mit Diskussionsmöglichkeit und Exkursionen. Es ging dabei vorwiegend um naturwissenschaftliche, historische und politische Aktualitäten, dazu heimatkundliche Themen, zunehmend dann auch um kulturelle.

Wiederbelebung in den 1960er-Jahren[Bearbeiten]

Nicht immer war es selbstverständlich, dass der Verein überlebte oder nicht zur „besseren Trinkergesellschaft“ verkam, wie schon wenige Jahre nach der Gründung erstmals befürchtet wurde. Viel dazu bei trug vor allem in den Kriegsjahren der Kantonsschulprofessor und langjährige Präsident Arnold Eugster, der neben der grossen Gemeindegeschichte auch mehrere Schriften über die Vereinigung verfasste. 1964 brachte Pfarrer Walter Fritschi als neuer Präsident frischen Wind, was sich in einer Steigerung der Mitgliederzahl bis 1970 auf über 100 niederschlug. Die „eingeschlafenen“ Exkursionen wurden wieder eingeführt, zum Beispiel eine Kunstfahrt an den Bodensee. Die Referate passten sich dem Zeitgeist an, statt um „erbauende“ Themen ging es nun auch um Eingriffe in die Natur, um Raumplanung, um die Betonung der Ethik bei der gesellschaftlichen Entwicklung und anderes mehr.

1995, beim 175-Jahr-Jubiläum zählte die Sonnengesellschaft 160 Mitglieder und dass das Mittun der Frauen inzwischen selbstverständlich war, zeigte sich darin, dass mit Gabriela Sigrist und darauf Margrith Rekade-Giger Präsidentinnen der Vereinigung vorstanden.

Kulturspeicher[Bearbeiten]

Als Ergänzung zum für Aussenstehende manchmal etwas vewirrlichen Namen Sonnengesellschaft setzte der Vorstand um 1995 den Zusatz Kulturspeicher. Unter diesem Namen erscheint auch die Homepage der Sonnengesellschaft. Jährlich veranstaltet die Sonnengesellschaft zwischen zehn und zwölf Veranstaltungen, im Zweijahresrhythmus auch einen „Chläusler“ mit der bewährten Abfolge Kulturbeitrag, gepflegtes Diner und Gesellschaftstanz.

Text Peter Abegglen, zusammengestellt aus Manuskripten von Martin Hüsler und Hanspeter Strebel