Brusttuch besticken

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Martina Haas widmet sich in ihrer Freizeit der Handstickerei, seit einiger Zeit dem Besticken von Brusttüchern, dem roten Gilet der Appenzeller und Toggenburger Sennentracht, in Innerrhoden rooti Liibli genannt. Damit übt sie in Speicher eine handwerkliche Tätigkeit im Dienste der Traditionspflege aus, wie es schon das Färben der gelben Sennenhosen ist, das „Gääle“


Broschttuech - roots Liibli[Bearbeiten]

Ausserrhoder Brusttuch

Das wichtigste Stück bei der Männertracht der Appenzeller und Toggenburger ist, neben der gelben Hose, die scharlachrote Weste, ein ärmelloses Gilet, das bis knapp an den Hosenbund reicht. In Ausserrhoden und im Toggenburg wird es «Broschttuech» und in Inner­rhoden «rots Liibli» genannt. Die Weste wird nur offen getragen. Ein weiteres typisches Merkmal neben der Farbe rot ist die Stickerei: Kragenspiegel (Revers), Rand, Leistentaschen, der ca. 3 cm breite Stehkragen sowie die vordere Mitte sind mit Stickereien verziert. Ebenso gehören beidseitig je 7 flache, quadratische Silberknöpfe und entsprechende Knopflöcher dazu, oberhalb vom Kragenspiegel je ein weiterer Silberknopf, dieser ohne Knopfloch. Der Stoff ist eine Art Filz und wird heute im Ausland hergestellt. Gestickt wird mit Seidenfaden. Der Ursprung dieses Kleidungsstücks liegt in der Reisläuferei und der Auswanderung: Der Schnitt des Gilets ist typisch für die französische Mode des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.






Die feinen regionalen Unterschiede[Bearbeiten]

Die regionalen Unterschiede betreffen vor allem die Art der Stickerei: die Knopflöcher sind farblich unterschiedlich umrandet. Im Kragenspiegel sind die Motive verschieden. Die Randstickerei unterscheidet sich ebenfalls leicht je nach Region. Nur im Toggenburg gehört die Silberhalskette zur Tracht. Obwohl die Trachtenvereinigungen auf regionale Einheitlichkeit achten, gibt es auch Mischformen wie Innerrhoder Kragenspiegel mit Ausserrhoder Randstickerei etc.

Innerrhoden[Bearbeiten]

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  • Auf dem Kragenspiegel sind Blumensträusschen und kleine Sterne gestickt.
  • Der Kragenspiegel ist nur an den beiden Aussenrändern mit feinen Zickzacklinien und Punkten gerahmt.
  • Die Knopflöcher sind mit gelber Knopflochseide eingefasst, dazwischen finden sich gestickte Blumensträusschen, in der Regel mit einem Enzian.
  • Randstickerei der Weste nur mit einer Zickzacklinie und Punkten.















Ausserrhoden[Bearbeiten]

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  • Auf dem Kragenspiegel kleine, feine Blumenstickereien.
  • Alle drei Seiten des Kragenspiegels sind bestickt, gleich wie der Rand der Weste.
  • Die Knopflöcher sind mit weisser Knopflochseide eingefasst, dazwischen finden sich gestickte Edelweiss.
  • Randstickerei der Weste mit mehreren Bahnen.







Toggenburg[Bearbeiten]

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  • Im Kragenspiegel finden sich neben Blumen häufig Windrädchen
  • Alle drei Seiten des Kragenspiegels bestickt.
  • Zwischen den mit weisser Knopflochseide eingefassten Knopflöchern fehlen Stickereien.
  • Die Randstickerei ist breiter als bei den Appenzellern, sie umfasst noch mehr Bahnen als beim Ausserrhoder Brusttuch, ebenso der Stehkragen.









Text und Video: Peter Abegglen 2021